Full text: Vorschläge zur Kapitalmarktpolitik 4. Teil (12)

D. Empfehlung zur Errichtung von Kapitalbeteiligungsgesellschaf-
ten in Österreich
28 Obwohl die Bedeutung der Kapitalbeteiligungsgesellschaften im
Ausland nur im Lichte der Struktur des Kapitalmarktes in den
einzelnen Ländern beurteilt werden kann und unmittelbare Rück-
schlüsse von ausländischen Erfahrungen auf die Wirkungsweise
von Kapitalbeteiligungsgesellschaften in österreich nicht möglich
sind, ist der Beirat der Ansicht, daß die Errichtung einer oder meh-
rerer Kapitalbeteiligungsgesellschaften in österreich zu einer Ver-
besserung der Funktionsfähigkeit des österreichischen Kapitalmark-
tes im weiteren Sinne beitragen würde9).
29 Die Errichtung von Kapitalbeteiligungsgesellschaften wirft eine
Reihe rechtlicher, steuerrechtlicher und institutioneller Fragen auf,
die im Beirat noch nicht behandelt wurden. Der Beirat schlägt dem
Finanzministerium daher vor, mit allen interessierten Kreisen -
insbesondere des Kreditapparates, der gewerblichen Wirtschaft und
der öffentlichen Hand - Möglichkeiten der Errichtung und Finan-
zierung von Kapitalbeteiligungsgesellschaften eingehend zu über-
prüfen und die notwendigen Schritte zur Gründung einer oder
mehrerer Kapitalbeteiligungsgesellschaften in österreich zu unter-
nehmen.
30 Im Hinblick auf eine wachstumspolitische Ausrichtung der Kapi-
talmarktpolitik ist jedoch der Beirat der Meinung, daß die zu
gründende(n) Kapitalbeteiligungsgesellschaft(en) kommerziell ge-
führt werden und Finanzierungsmittel vor allem zukunftsträchtigen
Unternehmungen zuführen sollte(n), deren Dynamik durch eine
ungünstige Eigen- und Fremdkapitalrelation gebremst wird. Es
sollte jedenfalls ausgeschlossen sein, die Kapitalbeteiligungsgesell-
schaft(en) als ein Instrument zur (subventionierten) Finanzierung
von strukturell notleidenden Betrieben auszugestalten.
31 Nur eine kommerzielle Gestion der Veranlagungspolitik der Kapi-
talbeteiligungsgesellschaft(en) würde es auch ermöglichen, nach
einer Anlaufsphase mit entsprechenden Wertpapieren der Kapital-
~) Bei der Entscheidung, ob nur eine oder mehrere Kapitalbeteiligungsgesell-
Bchaften zu bilden wären, Bollte auf die verhältnismäßig geringe Leistungsfähigkeit
des Kapitalmarktes und die relative Begrenztheit des österreichischen Wirtschafts-
potentials Bedacht genommen werden. Da die institutionelle Beteiligungsfinanzierung
1m Rahmen von Kapitalbeteiligungsgesellschaften für Osterreich eine neue Finan-
zierungsform darstellen würde, scheint es zweckmäßig, zunächst mit der Gründung
nur einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft die erforderlichen Erfahrungen zu sammeln.
Siehe auch Z 43.
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