Full text: Finanzmärkte (50)

interessen durchzusetzen; keine ist stark genug, um eine gesamtwirt-
schaftlich optimale Lösung herbeizufuhren.
2. Finanzierung
Österreichs Finanzml1rkte sind in der Vergangenheit rasch gewach-
sen und können die an sie gestellten Anforderungen in quantitativer
Hinsicht ohne Schwierigkeit erfullen. Mängel gibt es in den qualitati~
ven Bereichen der Risikofinanzierung, der längerfristigen Finanzie-
rung ohne traditionelle Sicherheiten und der Finanzierung zu mög~
lichst festen ZinSSätZen. Das gegenwärtige Finanzierungssystem ist
eher darauf eingestellt, billige Mittel zur Verfügung zu stellen, als die
Bereitstellung von Mitteln der erforderlichen Qualität zu fördern.
2.1 Risikokapital
Der Rückgang der Eigenkapitalquote der österreichischen Wirt-
schaft hat schon den Gegenstand zahlreicher Untersuchungen gebil-
det. Während in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre und vor allem
auch im Konjunkturzyklus 1968174 das starke Wachstum der Unter-
nehmungen - das nicht ausschließlich selbst finanziert werden
konnte - zu dieser Entwicklung beigetragen hat, ist fUr die zweite
Hälfte der siebziger Jahre und den Beginn der achtziger Jahre cha-
rakteristisch, daß fUr den Rückgang der Eigenkapitalquote eher die
sinkenden Erträge (Gewinndruck) verantwortlich sind.
Als weitere Ursachen sind aber auch eine Reihe von institutionellen
Faktoren zu nennen, die die Bildung von Eigenkapital zumindest ten-
denziell erschweren bzw. benachteiligen:
die Subventionierung der Fremdfinanzierung
steuerliche Bevorzugung der Bildung von Finanzvermögen in fest-
verzinslichen Veranlagungsformen gegenüber Beteiligungspapie-
ren (mit Ausnahme der Genußs<;:heine).
Die direkte WirtSchaftsförderung in Österreich stellt im wesentli+
chen auf Zinsenzuschüsse zu und HaftungsUbernahmen für Kredite
ab. Dadurch wird fur den Bereich der Investitionsfinanzierung indi-
rekt ein Beitrag zur Präferenzierung der Fremd- gegenüber der
Eigenfinanzierung geleistet.
Abgesehen vom Problem der Doppelbesteuerung von Erträgen und
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