Full text: Finanzmärkte (50)

4. Grenzen der Staatsverschuldung
Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen hat in der Vergan-
genheit zur Diskussion dieser Frage dadurch beigetragen, daß er in
seinen mittelfristigen Budgetvorschauen regelmäßig auch einige - al-
lerdings nur budgetpolitisch relevante - Indikatoren mittelfristiger
Staatsverschuldung veröffentlichte (im wesentlichen: Finanzschuld in
Prozent des Bruttoinlandsproduktes und des Budgetvolumens, Schul~
den- und Zinsendienst in Prozent der Budgetausgaben und des Net-
toabgabenerfolges) .
Die Auswahl der erwähnten Indikatoren geht Zielvorstellungen
ober Verschuldungsgrenzen gemessen an den jährlichen Auswirkun~
gen auf die Budgets der öffentlichen Haushalte zurück. Letzten En-
des hängt diese Sicht mit der haushaltstechnischen Überlegung zu-
sammen, daß die budgetären Aufwendungen fOr Tilgung und Verzin-
sung der Staatsschuld einen ständig zunehmenden Teil der Budget-
einnahmen beanspruchen. Freilich läßt sich - mit Ausnahme des
theoretischen Extremfalls, daß die gesamten Einnahmen fOr die Be-
dienung der Staatsschuld aufgewendet werden mOssen - daraus aus
volkswirtschaftlicher Sicht keine operationale Definition der Ver-
schuldungsgrenzen ableiten, da die Auswirkungen defizItfinanzierter
Staatsausgaben auf die Volkswirtschaft und damit auch auf die zu er-
wartenden Einnahmen der öffentlichen Hand in der Regel nicht be-
rücksichtigt werden. Hinweise kann allerdings die schon von Domar
durchgeführte Analyse geben 1) :
Probleme der Verschuldung können immer nur in bezug auf an-
dere volkswirtschaftliche Daten oder deren Veränderung, wie
z. B. Bruttoinlandsprodukt, Kapitalbildung, Budgetumfang, Auf-
nahmefähigkeit der Finanzmlirkte bei Revolvierung behandelt
werden.
Die »Last der Staatsverschuldung" repräsentiert durch den zur
Bedienung der Zinsenerfordemisse notwendigen Steuersatz, muß
- wie Domar anhand eines wenige strategische Variable umfas-
senden Modells unter bestimmten Bedingungen zeigt - selbst im
Fall einer absolut ständig steigenden Schuld keineswegs ständig
anwachsen; sie kann auch gleich bleiben oder sogar sinken.
1) Zitien nach M. Gantner, Zur Frage nach den Grenzen der öffentlichen Verschul-
dung in E. Nowotny, Hrsg., Öffentliche Verschuldung, Stuttgan, New York, 1979,
S. 149 ff.
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