Full text: Finanzmärkte (50)

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Die häufig erhobenen Forderungen nach einer Begrenzung der
öffentlichen Verschuldung sollten (oder dürfen) sich nicht an der
absoluten Höhe, sondern an der "Last der Verschuldung" orien-
tieren. Von einer Begrenzung der öffentlichen Verschuldung
könnte dann bereits gesprochen werden, wenn diese Last bzw. der
entsprechende Zins-Steuersatz konstant bleibt. Eine gleichblei-
bende oder gar abnehmende absolute Verschuldung wäre zur Er-
reichung dieses Zieles somit keineswegs erforderlich.
Die Analyse von Domar zeigt ferner, daß die Wachstumsrate des
Volkseinkommens der "archimedische Punkt" für die Belastungs-
wirkung und damit die Grenze der Staatsverschuldung aus volks-
wirtSchaftlicher Sicht ist. Das bekannteste Ergebnis seiner Studie
ist denn auch, daß das Verhältnis Schuldendienst/Volkseinkom~
men und die Beziehung Schuldenstand/Volkseinkommen trotz
ständiger (Netto- )Neuverschuldung in einer wachsenden Wirt-
schaft einem bestimmten Endwert zustreben. Dieser ist seinerseits
von der Wahl der Parameter Zinssatz (i), Wachstumsrate des
Volkseinkommens (r) und vom jährlichen Verschuldungsanteil
des Staates am Volkseinkommen (a) abhängig.
Eine weitere bedeutsame Erkenntnis Domars besteht schließlich
darin, daß für die Einschätzung der Wirkungen der Staatsver-
schuldung der Inhalt des Begriffes "öffentliche Investitionen"
nicht zu eng (etwa lediglich im Sinne der VGR) interpretiert wer-
den darf und ferner die gesamtwirtschaftliche Produktivität öf~
fentliche Ausgaben mitberUcksichtigt werden muß. Der direkte
Vergleich zwischen der (Umwegs-)Rentabilität schuldfinanzierter
öffentlicher Ausgaben und dem Zinssatz der Staatsverschuldung
spielt allerdings bei Domar keine Rolle.
Weiters erhebt sich die Frage, ob es für das Modell von Domar
gleichgültig ist, ob man von realen oder monetären Größen aus-
geht, ob also (r) und (a) nominell oder real sind. Das Problem der
Staatsverschuldung ist sicher ein reales und ein monetäres Pro-
blem. Die Erfahrung zeigt, daß es in der Realität vorkommen
kann, daß die Inflationsrate höher als die Rendite der Staatspa-
piere ist. Selbstverständlich zahlt der Staat auch in dieser Situation
seine Zinsen und erhebt dementsprechend die "Zinssteuer" , aber
die Realverzinsung ist in dieser Situation negativ, die Last erlei~h-
tert sich fUr den Staat auf Kosten der Vermögenssubstanz der
Rentiers. Langfristig ist aber eine solche reale Negativverzinsung
ohne ernste Probleme für den Staatskredit nicht denkbar.
        

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