Volltext: Finanzmärkte (50)

Analysiert man die 1979 in Kraft getretenen Kreditwesengesetze
nach ihrem geldpolitischen Inhalt, so findet man kaum Bestimmungen
mit direkter geldpolitischer Bedeutung. Allein die Bestimmungen über
die aktiv- und passivseitige Kreditkontrolle mit explizitem geldpoliti-
schem Hinweis sind neu ins KWG aufgenommen worden (Verord-
nungsermächtigung des Finanzministers). In der Praxis wurde die
Kreditkontrolle jedoch von der Notenbank gehandhabt, die die
Nichteinhaltung des Limes mit Kürzungen des Refinanzierungsrah-
mens pönalisierte. Die Habenzinsbildung wurde liberalisiert und den
Kreditinstituten die Möglichkeit zum Abschluß von Eckzins- und
Habenzinsabkommen mit hohen Geldstrafen bei Nichteinhaltung ge-'
geben. Der Wettbewerb um Einlagen, ausgelöst durch die ebenfalls
im KWG kodifizierte Zweigstellenliberalisierung zeigte zunächst
Umschichtungen in neue, nicht dem 1979 abgeschlossenen Haben-
zinsabkommen unterworfene Produkte. 1980 wurde vom Bankenver-
band das Habenzinsabkommen (mit dem Argument der faktischen
Nichteinhaltung) gekündigt mit der Folge, daß sich die Passivseite
verteuerte.
Bei gegebenen Zahlungsgewohnheiten und bei konstanter Umlauf-
geschwindigkeit des Geldes ergibt sich in einer geschlossenen Volks-
wirtschaft ein steigender Zentralbankgeldbedarf der Wirtschaft (Ban-
ken und Nichtbanken) Hand in Hand mit einer Zunahme der nomi-
nellen volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. In einer offenen Volks-
wirtschaft hingegen ist die Zahlungsbilanzentwicklung (Veränderung
der Währungsreserven !) ein zusätzlicher Faktor der Zentralbankgeld-
schöpfung.
Diese Aussagen lassen allerdings - selbst unter den genannten Be-
dingungen - noch keinen Schluß auf das richtige Ausmaß der Zen-
tralbankgelddotierung zu. Einerseits sind die Notenbanken mit dem
Problem der "zumutbaren'" Inflationsrate konfrontiert, andererseits
sind die Voraussetzungen für gewünschte realwirtschaftliche Wirkun-
gen eines bestimmten Musters der Zentralbankgeldversorgung, z. B.
einer regelmäßigen Ausweitung der "monetären Basis'" (- Zentral-
bankgeld) an theoretisch nicht unbestrittene Hypothesen gebunden
(z. B. an die von den Monetaristen behauptete Stabilität des privaten
Sektors).
Neben diesen geldtheoretischen Besonderheiten kommt noch als
praktische Schwierigkeit hinzu, daß Zentralbankgeldschöpfung und
Zentralbankgeldwirksamkeit nur in Ausnahmefällen identisch sind.
Abgesehen von den Zahlungsgewohnheiten ist es insbesondere das
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