Full text: Finanzmärkte (50)

Neben den weiter oben angedeuteten historischen Wurzeln gibt es
eine Reihe weiterer Faktoren, die für das geringe Angebot verant-
wortlich sind:
Unternehmens struktur Österreichs.
Nur O'3% aller Unternehmen sind Aktiengesellschaften (Betriebs-
zählung 1976), die jedoch mehr als ein Viertel der gesamten
Wertschöpfung erbrachten. Dazu kommt, daß auf der Angebots-
seite der Risikokapitalfinanzierung durch traditionelle Verhal-
tensweisen eher ungünstige Voraussetzungen gegeben sind.
Hoher Verstaatlichungsgrad.
Durch das erste Verstaatlichungsgesetz vom 26. Juli 1946 wurden
70 Unternehmen des Bergbaues und der Industrie sowie drei
große Kreditinstitute verstaatlicht. Das zweite Verstaatlichungs-
gesetz vom 26. März 1947 verstaatlichte die Elektrizitätswirt-
schaft mit Ausnahme der Kleinbetriebe. Eine Sonderauswertung
der Betriebszählung ergab, daß sich von 165.697 erfaßten Betrie-
ben 3.907 in direktem oder indirektem Mehrheitsbesitz der öf-
fentlichen Hand befanden. Ein hoher Verstaatlichungsgrad ist
insbesondere in den Branchen Stahl~ und Edelstahlindustrie, Mi-
neralölindustrie, Transport- und Luftfahrtunternehmen, Berg-
und Hüttenwerke, Energiewirtschaft, Elektroindustrie und bei
Banken festzustellen. Vom Grundkapital der Ende 1980 bestehen-
den 546 Aktiengesellschaften in Höhe von 68'7 Mrd. S dürfte ca.
50% im öffentlichen Eigentum sein.
Steuerliche Behandlung von Aktienemissionen.
Schließlich durfte die Ursache der relativ geringen echten Kapital-
erhöhungen nicht nur im Fehlen von Risikokapital, sondern auch
in unterschiedlichen steuerlichen Behandlungen von Beteiligungs-
finanzierungen und Fremdkapitalfinanzierungen liegen. Maßnah-
men zur Aufbringung von zusätzlichem Eigenkapital für Aktien-
gesellschaften und zur weiteren Belebung des Aktienmarktes wur-
den allerdings im Frühsommer 1985 durch das Bundesministerium
für Finanzen (BMF) initiiert (vgl. Empfehlungsteil).
Die Nachfragestruktur
Ausländische Anleger spielen im allgemeinen am österreichischen
Aktienmarkt eine geringe Rolle. Ausschlaggebend dafür dürften ins-
besondere die geringen Kurschancen und Ausschüttungsquoten sowie
die Marktenge am österreichischen Aktienmarkt sein.
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