Full text: Finanzmärkte (50)

Einleitung
Der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen hat schon in der
zweiten Hälfte der sechziger Jahre eine Kapitalmarktstudie erarbei-
tet, die einen Entwicklungsschub auf den Finanzmärkten wenn schon
nicht auslöste, so doch begleitete und erheblich mitgestaltete. In den
letzten Jahren wurde der Bedarf an einer Weiterentwicklung der
österreichischen Finanzmärkte immer deutlicher merkbar, und dem-
gemäß setzte der Beirat für Wirtschafts- und Sozialfragen abermals
eine Arbeitsgruppe ein, die Schwachstellen untersuchen, Maßnahmen
zu ihrer Beseitigung im Sinne eines von den Sozialpartnern gemein-
sam vertretbaren Kopzepts ausarbeiten sollte.
Die Arbeitsgruppe erstellte zunächst eine Analyse der Rahmenbe-
dingungen, die sich in den letzten Jahren sehr deutlich geändert ha-
ben: Insbesondere ist die reale und monetäre Verflechtung Öster-
reichs mit dem Ausland erheblich gestiegen, wodurch die Gestal-
tungsmöglichkeiten der Geldpolitik schwieriger und der Spielraum
enger geworden ist. Das erfordert in manchen Bereichen eine Anglei-
chung der Maßnahmen an das Ausland, in anderen Bereichen ein
sehr viel differenzierteres Instrumentarium. An Entwicklungstenden-
zen der österreichischen Finanzmärkte zeigt sich insbesondere, daß in
der jüngeren Vergangenheit die Finanztransaktionen sehr viel rascher
zugenommen haben als die Gütertransaktionen (Investitionen, Brut-
toinlandsprodukt, Einkommen) und zunehmend über den Kreditap-
parat abgewickelt werden (Intermediatisierung); die direkten Kredit-
beziehungen zwischen Gläubiger und Schuldner (Anleihen) und die
direkte Beteiligung in Form von Risikokapital verloren relativ dazu
an Bedeutung. Daraus resultierte einerseits ein zunehmend merkbarer
Mangel an Eigenkapital in der Wirtschaft, andererseits eine merkli-
che Riskenkumulierung im Kreditapparat, deren längerfristiges An-
halten Vor allem deswegen bedenklich erscheint, weil die Eigenkapi-
talbildung im Kreditapparat mit der rasanten Ausweitung seiner Bi-
lanzsumme nicht annähernd Schritt halten konnte.
Die Empfehlungen dieser Studie haben die Zielrichtung, entspre-
chend dem höheren Wohlstand der Österreicher und ihrer demge-
mäß steigenden Fähigkeit, Risken selbst zu tragen (anstatt sie im Kre-
ditapparat zu kumulieren und dadurch de facta zu verstaatlichen),
eine tendenzielle Verlagerung von Kontensparen und Kreditgewäh-
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