Full text: Übergang zur Marktwirtschaft in Osteuropa (43)

17 Notwendigkeit, denn ohne sie wird die unerläßliche Steigerung der Produk¬ tivität undurchführbar sein (5)." Der Weg zur teilweisen Rückgängigmachung der Nivellierung bestand in einer Dezentralisierung der Lohnpolitik nach 1953.- Nach der Preisstabilisierung kam es in den beiden Jahren 1952 und 1953 überhaupt zu einer Kollektiv¬ vertragspause. Die Tariflöhne blieben in diesen Jahren unverändert, die Effektivlöhne stiegen dessen ungeachtet 1953 kräftig an. 1954 traten einige Fachgewerkschaften zu neuen Lohnverhandlungen an, weitere folgten. Damit war der Übergang zum heutigen System der branchenweisen Lohnver¬ handlungen vollzogen. Die Laufzeit der Verträge lag anfänglich bei 1 1/2 Jahren oder sogar darüber. In den sechziger Jahren wurde sie auf ein Jahr verkürzt Die Konsequenz dieser Dezentralisierung der Lohnpolitik war, daß die frühere Rangordnung der Branchen in der Entlohnungshöhe teilweise wieder¬ hergestellt wurde. Die hoch entlohnten Bereiche wie graphisches Gewerbe, Bergbau, Chemie, Nahrungsmittel und Papier hatten im Zeitraum 1953/57 die höchsten Lohnzuwächse, Textil, Bekleidung, Holzverarbeitung die geringsten (6). Mit einer zentralisierten Lohnpolitik wäre diese Entwicklung nicht vollziehbar gewesen, da die zentrale Gewerkschaftsorganisation mit der Aufgabe, die Lohnhierarchie durch Beschlüsse neu und deutlich anders zu ordnen, sicherlich überfordert gewesen wäre. Was in der Situation 1953 erforderlich war, war eindeutig mehr Flexibilität bei der Lohnbildung, mehr Rücksichtnahme auf Marktkräfte, aber bei den von der Nivellierung stark betroffenen Gruppen auch auf ihre Vorstellung von "angemessener" und "gerechter" Entlohnung. Es wäre m.E. ein Fehler, wollte man den Lohnbil¬ dungsprozeß ausschließlich als Frage von Angebot und Nachfrage in simpler

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