Full text: Umweltpolitik (51)

schadstoffe liegt. Sekundär sind noch andere Schadensfaktoren (z. B.
Witterung, Nährstoffarmut, Schadinsekten und -pilze, Schalenwild)
am "Waldsterben" beteiligt. Da es in naturnahen Mischwäldern
ebenso stark auftritt, wie in nicht standortgemäßen Fichten~Reinbe-
ständen, sind die Schäden nicht kausal durch die Art der Bewirtschaf-
tung des Waldes bedingt.
Österreichweite, vom Bundesministerium fOr Land- und Forstwirt-
schaft durchgeführte Erhebungen, wie z. B. Schneeuntersuchungen
und das Bioindikatornetz, haben ergeben, daß außer den bekannten
Rauchschadensgebieten auch andere Gebiete Immissionseinwirkun-
gen aufweisen. Auf Grund dieser Erhebungen kann auch angenom-
men werden, daß ein Großteil der in Österreich festgestellten Immis-
sionsschäden am Wald hausgemacht ist, was nicht ausschließt, daß in
bestimmten Teilen Österreichs erhebliche Schäden durch grenzUber-
schreitende Luftverunreinigungen verursacht werden.
Das Ökosystem Wald scheint nicht mehr in der Lage zu sein, die
langjährige chronische Belastung mit Luftschadstoffen Zu verkraften
und droht daher umzukippen.
Von den gasförmigen Luftschadstoffen sind vor allem Schwefeldio-
xid (S02), Stickstoffoxide (NOx), Chlor (CI2), Fluor (F2), Chlor- und
Fluorwasserstoff (HCl und HF), Ammoniak (NH3), und diverse Koh-
lenwasserstoffe (CxHy), von den staubförmigen Schadstoffen sind vor
allem Kalzium- und Magnesiumverbindungen sowie Blei, Zink, Kup~
fer, Cadmium und andere Schwermetalle zu nennen.
Unter Sonneneinwirkung können aus verschiedenen Abgasen (z. B.
NOx und CxHy) gefährliche Photooxidantien (z. B. Ozon oder Per-
oxidazetylnitrat) entstehen.
Die Wirkungs mechanismen von Luftverunreinigungen auf den
Wald - vor allem das Zusammenwirken mehrerer Schadstoffe -
sind trotZ weltweiter Forschungsbemuhungen bisher wissenschaftlich
noch nicht vollständig erfaßt. Fest steht, daß Schadstoffe durch die
Spaltöffnungen der Nadeln und Blätter aufgenommen werden. Das
kann zu Störungen der Assimilation sowie der Transpiration und so-
gar zu Verbrennungen und Verätzungen fuhren. Vor allem Schwefel+
dioxid und Stickstoffoxide sind für die Bildung des sogenannten
"Sauren Regens" verantwortlich, der eine Absenkung des pH-Wertes
im Boden und an den Nadel- bzw. Blattoberflächen bewirkt. Die Fol-
gen davon sind vor allem die Störung des BodenJebens, die Schädi-
gung des Feinwurzelsystems der Bäume, die Freisetzung toxischer
Metallionen und die Nährstoffauswaschung. Weiters bewirken
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