Full text: Lohnnebenkosten (69)

2.3. Probleme der internationalen Vergleichbarkeit
ten die Sonderzahlungen grundsätzlich in allmonatlich zur Auszahlung
gelangende Lohnbestandteile umgewidmet werden. Hieraus läßt sich er-
kennen, daß die so definierten "Lohnnebenkosten" bzw. der diesen ge-
genübergestellte "Direktlohn" zur Beschreibung der Einkommenssitua-
tion der Arbeitnehmer weitgehend ungeeignet sind.
Das Arbeitseinkommen eines Arbeitnehmers umfaßt selbstverständlich
nicht bloß den reinen "Direkt- oder Leistungslohn", sondern auch die
Sonderzahlungen (die gerade in Österreich große Bedeutung haben)
und darüber hinaus auch die Entgeltzahlungen während entlohnungs-
pflichtiger Abwesenheitszeiten6) (Urlaub, Feiertage u. a.), also all das,
was in der Gliederung in "direkte" und "indirekte" Arbeitskosten den
"direkten" Kosten zugeordnet wird.
Während als Indikator für die internationale Wettbewerbsfähigkeit
einer Wirtschaft nur die Arbeitskosten insgesamt - und in Zusammen-
hang mit der Produktivität - von Bedeutung sind, entzünden sich die
diesbeztiglichen Kontroversen immer wieder an den Lohnnebenkosten-
sätzen, die europaweit einen deutlich steigenden Trend ausweisen und
sich international stark unterscheiden.
Die Lohnnebenkostensätze der wichtigsten OECD-Länder lagen im
letzten für die EG-Länder verfügbaren Jahr 1988 zwischen 20,2% in Dä-
nemark und 98,8% in Italien; die deutsche Industrie wies einen Lohnne-
benkostensatz von 79,2% und die österreichische 1987 einen von 96,2%
aus; für 1992 ergibt sich nach den Berechnungen dieser Arbeitsgruppe
des Beirats für Österreich ein Wert von 94,7%.
Diesen Unterschieden in den Lohnnebenkostensätzen wird immer
wieder große Bedeutung zugemessen; sie sagen aber isoliert betrachtet
wenig aus: In Ländern, in denen die soziale Sicherheit überwiegend über
Beiträge - in der Regel Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge - finan-
ziert wird, sind die Lohnnebenkosten wesentlich höher als in Ländern, in
denen der Sozialstaat über das Budget finanziert wird. In Dänemark be-
liefen sich beispielsweise 1990 die Steuern aus Einkommen und Ertrag
auf 28,5% und die Steuern auf Güter und Dienstleistungen auf 16,2% des
BIP, während die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung bei 1,5%
lagen. In Österreich betrugen dagegen die Sozialversicherungsbeiträge
13,7%, aber die Steuern auf Einkommen- und Ertrag und auf Güter und
Dienstleistungen waren mit 10,6% bzw. 13,1% deutlich niedriger als in
Dänemark. Obwohl in Dänemark der Lohnnebenkostenanteil sehr ge-
6) Auch die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wäre hier zu nennen, allerdinl?s stellt
diese naeh der ILO-Definition eine Sozialleistung dar und zllhlt danach zu den indIrekten
Kosten.
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