Full text: Lohnnebenkosten (69)

bis 1990 nur um 0,4 Prozentpunkte (Übersicht 2). Die Arbeitskostener-
hebung der BWK weist dagegen eine Zunahme der Ausfallzeit (ohne
Krankenstände) von 16,6% der geleisteten Arbeitszeit im Jahr 1981 auf
25,4% im Jahr 1990 aus, wobei sich die ganze Zunahme auf die letzten
drei Jahre bezieht, da für 1987 noch 16,4% Ausfallzeit ausgewiesen wird.
Die Ursache für diese ungewöhnliche Entwicklung in den Daten der
BWK dürfte sowohl erhebungstechnischer Natur sein, als auch auf den
Systemunterschied bei der Bezahlung der Krankenstunden der Arbeiter
und der Angestellten zurückzuführen sein. Vor der Einfuhrung des Ent-
geltfortzahlungsgesetzes im Jahre 1974 sind Krankenstunden der Arbei-
ter grundsätzlich - außer auf freiwilliger oder kollektivvertraglicher Basis
~ nicht zu bezahlen gewesen. Daher sind fruher Krankenstunden sowohl
bei den bezahlten als auch bei den geleisteten Arbeitsstunden unberück-
sichtigt geblieben. Freiwillige oder kollektivvertragliche Zuschusse im
Krankheitsfall sind unter der Position "Krankengeld" erfaßt worden.
Mit der Einfuhrung des Entgeltfortzahlungsgesetzes im Jahre 1974
wurde die Einbeziehung der Krankenstände in die geleisteten Arbeiter-
stundel.l notwendig, um eine Doppelerfassung der Krankenkosten (er-
stens als bezahlte Ausfallzeit und zweitens als Arbeitgeberbeitrag nach
dem EFZG) zu vermeiden. Zunächst (bis einschließlich 1981) erfolgte
dies in der Weise, daß sowohl bei den bezahlten als auch bei den geleiste-
ten Stunden die Krankenstunden weiterhin nicht erfaßt wurden, weil
deren Kosten zunächst zur Gänze (einschließlich gewisser Lohnneben-
kosten) rückvergütet wurden, allerdings bei einem EFZG-Beitrag von
3,8%. Da dieser sukzessive auf 2,8% reduziert wurde (siehe dazu Über-
sicht 6), mußte auch der Refundierungsprozentsatz zunächst auf 100%
und später auf 80% vermindert werden. Augenblicklich beträgt er 70%.
Dementsprechend war es auch nötig, die Fragestellung im BWK-Frage-
bogen zu ändern, was mit dem Jahr 1984 erfolgte. Die Betriebe wurden
daher aufgefordert, die Krankenstände sowohl in den bezahlten als auch
in den geleisteten Arbeiterstunden zu inkludieren.
Eine entsprechende Anglcichung des Aufarbeitungsprogramms er-
folgte jedoch zunächst nicht, was vor allem bei der Aufarbeitung 1987 zu
rückläufigen und unplausiblen Ergebnissen führte. Die notwendige Kor-
rektur der Berechnungsformel erbrachte 1990 deutlich weniger geleistete
Arbeiterstunden je Kopf als vom ÖSTAT ausgewiesen wurden. Ob dabei
- wie vermutet - Krankenstände teilweise abgezogen wurden, obwohl sie
in der Basis nicht enthalten waren, oder ob die ÖSTAT-Daten die Aus-
fallzeiten unterertassen, kann erst eine zukunftige Erhebung klären.
Vermutlich haben viele der Befragten die Aufforderung in der Fuß-
note von Punkt 4 des Fragebogens (siehe Anhang 3) - die Kranken~
stände als Anwesenheitsstunden auszuweisen ~ nicht beachtet, so daß die
Betriebe nicht einheitlich gemeldet haben durften. (Punkt 4, der sich auf
die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden mit dem expliziten Hinweis "An-
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