Full text: Lohnnebenkosten (69)

VORWORT
In fast regelmäßigen Abständen führte das Thema "Lohnnebenkosten"
(LNK) zu teils heftigen und oft polemischen Diskussionen, auch unter den
Sozialpartnern. über die Medien wurden Rechnungen und Gegenrech-
nungen präsentiert, die den Eindruck hinterlassen mußten, daß da oder
dort "Rechtfertigungs statistiken" zur Untermauerung von politischen Po-
sitionen erstellt wurden. Der tatsächliche Hintergrund der unterschiedli-
chen Ergebnisse von LNK-Berechnungen liegt darin, daß unter dem Be-
griff LNK äußerst unterschiedliche Dinge verstanden werden können.
Die vorliegende Studie des Beirats für Wirtschafts- und Sozialfragen prä-
sentiert demzufolge nicht nur einen neuen Berechnungsmodus für LNK,
der sich stärker an internationalen statistischen Gepflogenheiten orientiert,
sondern versucht auch, den diesbezüglichen Begriffsdschungel zu entwir-
ren. In der Studie werden daher die folgenden Aspekte unterschieden:
1. Einkommensaspekt: Die von der ILO empfohlene Gliederung der
gesamten Arbeitskosten in "direkte" und "indirekte" Arbeitskosten rech-
net alle Arbeitskosten mit unmittelbarem Einkommenscharakter (wie
etwa bezahlte Ausfallszeit oder Sonderzahlungen) den direkten Arbeits-
kosten und jene mit nur mittelbarem oder keinem Einkommenscharak-
ter (wie etwa Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung) den indirekten
Arbeitskosten zu.
2. Kostenaspekt: Die Gliederung in "Direkt- oder Leistungslohn" (für
die Anwesenheitszeit) und in "Lohnneben- oder Personalzusatzkosten"
als kalkulatorische Basis der Unternehmen rechnet alle Arbeitskostenbe-
standteile, die nicht direkter Leistungslohn für die Anwesenheitszeit sind,
den LNK zu.
3. Internationale Wettbewerbsfähigkeit: In diesem Zusammenhang
sind nicht die wie auch immer definierten LNK relevant, sondern die ge-
samten Arbeitskosten, und diese auch nur in Relation zur Produktivitäts-
entwicklung (sog. Lohnstückkostenposition).
Der Beirat hofft, mit dieser Arbeit einem Kernbereich seines Grün-
dungsauftrages in besonderem Maße gerecht zu werden, nämlich zur
Versachlichung der politischen Diskussion beizutragen, indem gemein-
same Grundlagen erarbeitet und Daten und Fakten außer Streit gestellt
werden. Für das Zustandekommen der vorliegenden Studie gebührt der
Dank des Beirats neben den Geschäftsführern der Arbeitsgruppe, Herrn
Dr. Chaloupek und Dr. Festa, vor allem Herrn Mag. Alois Guger vom
Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, der in Kooperation
mit Herrn Dkfm. Herget die Hauptlast bei der Entwirrung des Begriffs-
und auch Zahlen dschungels zu tragen hatte.
3
Wien, im Jänner 1994 Georg Kovarik
Vorsitzender des Beirats
für Wirtschafts- und Sozialfragen
        

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