Full text: Lohnnebenkosten (69)

6. DIE ARBEITSKOSTEN DER INDUSTRIE ÖSTERREICHS IM
INTERNATIONALEN VERGLEICH
6.1 Die Acbeitskosten je Stunde
Nach den Berechnungen des Beirats kostete 1992 die Arbeitsstunde in
der verarbeitenden Industrie Österreichs 223,50 S. Sie setzte sich aus
einem direkten Leistungslohn (Anwesenheitslohn) von 114,80 Sund
Lohnnebenkosten von 108,70 S oder nach der Klassifikation der EG aus
direkten Arbeitskosten von 165,40 S und indirekten von 58 S zusammen.
In der Hierarchie der industriellen Arbeitskosten (Löhne plus Lohn-
nebenkosten) nahm Österreich 1992 im Vergleich mit den 19 wichtig-
sten Handelspartnem im OECD-Raum die 8 Stelle ein. Die Kosten des
Faktors Arbeit waren damit im Vorjahr in der österreichischen Industrie
gleich hoch wie im Durchschnitt der EG sowie in Italien und Frank-
reich, aber deutlich höher als in den industrialisierten Konkurrenzlän-
dem außerhalb Kontinentaleuropas: In den USA, in Kanada und in Ja-
pan war die Arbeitsstunde 1992 um rund YI und in Großbritannien um V4
billiger als in der ästerreichischen Industrie. Auch die finnische Indu-
strie, die 1991 noch 15% mehr gezahlt hatte als die österreichische, hat
jetzt durch den Wertverlust der finnischen Mark deutlich niedrigere Ko-
sten (-5%).
Generell bewirkten im vergangenen Jahrzehnt Wechselkursschwan-
kungen mehrmals kurzfristig starke Verschiebungen in den Wettbewerbs-
positionen einzelner Länder. Allein seit 1985 war die ästerreichische
Exportwirtschaft mit mehreren kräftigen Fluktuationen konfrontiert.
Ein Vergleich der Entwicklung der Arbeitskosten auf Schillingbasis
(Übersicht 10) mit jener in nationaler Währung (übersicht 11) zeigt die
Bedeutung der Wechselkursentwicklung. Die amerikanischen Arbeitsko-
sten je Stunde verteuerten sich in Dollar seit 1985 um 3,2% pro Jahr, auf
Schillingbasis verbilligten sie sich jedoch um 5,8% pro Jahr.
Noch 1985 war die Arbeitsstunde in der amerikanischen Industrie
70% und in Kanada und Norwegen über 40% teurer als in der österrei-
chischen. In den Jahren 1986 und 1987 führten dann starke Wertverluste
des Dollars und einiger europäischer Währungen (die Großbritanniens,
Frankreichs, Italiens, Schwedens, Norwegens u. a.) dazu, daß 1987 die
Arbeitsstunde in der amerikanischen und kanadischen Industrie deutlich
billiger war als in der österreichischen. Gemessen an den Industriewaren
wertete der Schilling innerhalb von 2 Jahren um 7,8% auf.
Nach einer relativ stabilen Kursentwicklung in den beiden Folgejah-
ren verloren 1990 die Währungen einiger wichtiger Handelspartner Oa-
pan, USA, Großbritannien, Schweden, Norwegen) an Wert, so daß der
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