Full text: Frauenbeschäftigung in Österreich (25)

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D. Zusammenfassung
In den letzten 20 Jahren hat sich die Frauenerwerbsquote in nahe-
zu allen Industriestaaten erhöht. In den westlichen Industriestaaten
reichte in den siebziger Jahren die Spanne der Frauenerwerbsquote
von 19"3°/(1 in Italien bis zu 39"2°/(1 in Finnland. Osterreich selbst ver-
zeichnet einen außerordentlich hohen Frauenanteil, der teilweise auf
den kriegsbedingten Frauenüberschuß zurückgeht. Die Erwerbsquote
war 1960 die höchste aller westlichen Industriestaaten (36%), ging
aber in den siebziger Jahren durch die Verringerung der aktiven
Jahrgänge und den vermehrten Zustrom zu einer höheren Ausbildung
auf 33"4% zurück. Laut Mikrozensus waren 1971 in Osterreich
1,169.000 Frauen berufstätig, davon waren ca. 78% oder 909.000 un-
selbständig Erwerbs6tige.
I. FRAUENARBEIT IN DEN INDUSTRIESTAATEN
Ober die Voraussetzungen der Frauenarbeit hat die ökonomische
Theorie durch lange Zeit unvollständige und zum Teil widersprüch-
liche Überlegungen vermittelt. Als wesentlichste Bestimmungsgründe
für die Prauenerwerbstätigkeit galten das generelle Einkommens-
niveau und die Kinderzahl. Dabei ergaben sich eindeutige Lösungen
nur für die alleinstehende frau, die - wenn sie über keinen Unter-
haltsanspruch verfügt - ihre Arbeitskraft auf dem Markt anbietet.
Für die Frau im Familienverband bot das theoretische Modell zwei
Lösungsmäglichkeiten: Die "normale" entspricht den Vorgiingen auf
den Warenmiükten, wonach sich mit steigenden Einkommenschancen
das Angebot an weiblicher Arbeit erhöht (Substitutiome/fekt). Die
"abnormale" Lösung führt dazu, daß das höhere Einkommen des
Ehegatten ein Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß mit sich bringt
(Einkommense/fekt). Beide Effekte treten in der Realität mit unter-
schiedlicher Intensität auf. Aus diesem Grund konnten empirische
Untersuchungen keine eindeutigen und befriedigenden Erklärungen
über das Verhalten der Frau in bezug auf ihre Teilnahme am Er-
werbsleben geben. Das gilt auch für die neuere Angebotstheorie, die
vom Haushalt als Produktionseinheit, die Güter und Dienstleistungen
auf dem Arbeitsmarkt wie im Haushalt "produziert", ausgeht. Um-
fang und Struktur der "Produktion" (auch des Gutes "Freizeit") und
somit die Arbeitsverteilung zwischen den Haushaltsmitgliedern wer-
        

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