Full text: Mittelfristige Finanzplanung (39)

Schlußfolgerungen und Empfehlungen
In der ersten Hälfte der sechziger Jahre wurde das öffentliche
Haushaltswesen weltweit mit Herausforderungen konfrontiert, die
mit dem Anspruch auftraten, die traditionelle einjährige, kameralisti~
sche staatliche Buchführung, ja darüber hinaus sogar die gesamte öf-
fentliche Verwaltung zu revolutionieren.
Dabei handelte es sich einmal um den Versuch, betriebswirtschaft-
lich orientierte Investitions-, Planungs- und Managementverfahren
(z. B. die cost-benefit-analysis) in bestimmte Bereiche der Administra-
tion der öffentlichen Haushalte zu verpflanzen. Erfolgreich war de-
ren Anwendung etwa beim Vergleich verschiedener Infrastrukturpro-
jekte (z. B. Staudämme) sowie von Investitionen im militärischen Be~
reich.
Neben dem skizzierten Versuch der Einführung privatwinschaftli-
cher Rechnungsgrundsätze wäre darüber hinaus das Bemühen zu
nennen, die Wirtschaftspolitik generell zu "verwissenschaftlichen". Es
handelt sich also um den Versuch, als fragwürdig erachtete kurzfri-
stige politische Entscheidungen durch ein System "wissenschaftlich
objektivierter Zielhierarchien" zu ersetzen, die "optimale Zielkombi-
nation" je nach Umweltsituation mit den geeigneten Mitteln (zumin-
dest besser als in der Vergangenheit) zu verwirklichen und dabei auf
die gegenseitige Abhängigkeit von Zielen und Instrumenten zu ach-
ten.
Mittlerweile werden die Versuche, unter Nutzung aller wissen-
schaftlichen Erkenntnisse das tatsächliche Wirtschaftsgeschehen sy-
stematisch und zielgerichtet an die erwünschte Entwicklung anzupas-
sen, eher mit Skepsis beurteilt. Angesichts der vielfältigen globalen
Probleme, die in den siebziger Jahren aufgetaucht sind und bisher
nicht befriedigend gelöst werden konnten, ist die Euphorie, mit wis-
senschaftlichen Methoden sogar eine Feinsteuerung der Wirtschaft
zu erreichen, verflogen. Es zeigte sich, daß die Finanzplanung bei
weitem nicht in der Lage war, die ursprünglich in sie gesetzten Er-
wartungen zu erfüllen.
Diese Erkenntnis sollte jedoch nicht dazu fuhren, die Idee der mit-
telfristigen Planung des öffentlichen Haushalts endgültig aufzugeben.
Um beurteilen zu können, was eine vernünftige Finanzplanung leisten
kann und was nicht, muß man sich darUber im klaren sein, daß Pla~
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