Full text: Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (71)

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3. DIE "SPIELREGELN" VON MAASTR!CHT UND DIE KLÄRUNG
VON DEFIZIT- UND VERSCHULDUNGSBEGRIFFEN IN
VERSCHIEDENEN STATISTISCHEN SYSTEMEN
Die Einführung einer Währungsunion wird zumeist damit begrtindet,
daß ein gemeinsamer Markt seine volle Effizienz erst dann entfalten
kann, wenn es eine gemeinsame Währung gibt. Die wirtschaftlichen Vor-
teile einer gemeinsamen Währung liegen darin, daß Wechselkursschwan-
kungen und Wechselkursunsicherheiten entfallen und die Transaktions-
kosten geringer werden. Im Vertrag von Maastricht werden die Voraus-
setzungen für die Teilnahme an der Währungsunion definiert.
3.1. "Spielregeln" von Maastricht
3.1.1. Die Bestimmungen des Maastrichter Vertrages
Im Juni 1988 erteilte der Europäische Rat bei seiner Tagung in Han-
nover einem Sachverständigenausschuß unter dem Vorsitz von Jacques
Delors den Auftrag, die konkreten Etappen zur Verwirklichung der
Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zu prüfen und vorzuschlagen.
Im Juni 1989 legte der Europäische Rat auf seiner Tagung in Madrid die
allgemeinen Grundsätze für die WWU fest: Einführung einer einheitli-
chen Währung, stufenweise Verwirklichung der WWU, wobei die erste
Stufe am 1. Juli 1990 begonnen hat und parallel dazu die Entwicklung
des währungspolitischen und des wirtschaftspolitischen Bereichs. In die-
ser ersten Phase wurde die Liberalisierung des Kapitalverkehrs (mit
Übergangsregelungen für schwächere Länder) beschlossen, die auch
Österreich ein Jahr später übernahm. Außerdem verpflichteten sich die
Mitgliedstaaten, "Konvergenzprogramme" zur Annäherung und Verbes-
serung ihrer wirtschaftlichen Leistungen vorzulegen und so die Festle-
gung fester Wechselkurse zwischen ihren Währungen zu ermöglichen.
Dabei sollen die ökonomischen Entwicklungen multilateral überwacht
und die Budgetpolitik koordiniert werden. AUe Mitglieder sollen dem
europäischen Währungssystem (EWS) zu gleichen Bedingungen beitre-
ten und die Autonomie der nationalen Zentralbanken stärken.
Am 10. Dezember 1991 gaben die Staats- bzw. Regierungschefs in
Maastricht der europäischen Einigung neuen Auftrieb, indem sie den
Vertrag über die Wirtschafts- und Währungsunion aushandelten, um den
Weg zu einer einheitlichen Währung unumkehrbar zu machen. Der Ver-
trag enthält im wesentlichen die folgenden Punkte:
- Die zweite Stufe fOr die Verwirklichung der WWU begann am
1. Jänner 1994. Sie stellt noch eine Übergangsphase dar, in der ver-
        

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