Full text: Vorschläge zur Industriepolitik (17)

I. Allgemeiner Teil
DIE STELLUNG DER INDUSTRIE IN DER
GESAMTWIRTSCHAFT
In allen entwickelten Ländern entsteht ein großer Teil des
Volkseinkommens im industriellen Bereich, der Bergbau, verarbd-
tende Industrie und Gewerbel) umfaßt. Dieser Wirtschafts sektor
wird vielfach als Hauptmotor des gesamtwirtschaftlichen Wachs-
tums angesehen. Allein sein hoher Anteil am Nationalprodukt (in
Industriestaaten rund 40% der Wertschöpfung) bedingt einen maß-
geblichen Einfluß auf die Entwicklung der Gesamtwirtschaft.
Andere vor- und nachgelagerte Zweige, insbesondere Handel, Ver-
kehr und Dienstleistungen (Banken, Versicherungen), sind eng mit
der Industrie verflochten und maßgebend von ihr beeinflußt. Es ist
naheliegendll), darüber hinaus die Industrie als Hauptträger des
Produktivitätsfortschritts anzusehen, da sie technische Neuerungen
erzeugt, von denen andere Sektoren profitieren, und weil sie über den
Arbeitsmarkt auf die anderen Sektoren einen Druck zur Rationali-
sierung ausübt.
Der Anteil von Industrie und Gewerbe am realen Brutto-National-
produkts) lag in den sechziger Jahren konstant zwischen 38% und
39%. Erst 1969 war eine merkliche Zunahme zu verzeichnen. Andere
Länder, wie beispielsweise die Niederlande, Belgien und selbst das
schon hochindustrialisierte Schweden, vermochten ihren Industrie-
anteil noch zu erhöhen. In Deutschland blieb er - allerdings auf
erheblich höherem Niveau - praktisch unverändert, in Großbri-
tannien hatte er eher sinkende Tendenz.
1) Entgegen der internationalen Gepflogenheit separiert die östetteichische
Statistik Industrie und "Gewerbe" nach der Sektionsgliederung der Bundea-
kammer. Wenn im Text von Gewerbe gesprochen wird, so ist damit nur das
produzierende Gewerbe gemeint. Der Bereich des Dienstleistungsgewerbes und
des Baugewerbes ist somit aus den folgenden Betrachtungen ausgescWossen.
I) Aber schwer beweisbar, siehe: Wirtschaftswachstum, Produktivitäts-
fortschritt und Industrieproduktion, Monatsberichte des Österreichischen
Instituts für Wirtschaftsforschung, Nr. 5/1969.
8) Zu Faktorkosten.
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