Volltext: Beschäftigungspolitik (72)

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duktives Zweigwerk geschlossen wird, um die Produktion entsprechend zu
verlagern. Wenn, was nicht unplausibel scheint, in dem zur Schließung be-
stimmten Zweigwerk auch die Arbeitsproduktivität niedriger war, geht - netto
- Beschäftigung verloren, obwohl sie im "flexibleren" Werk steigt.
Aber auch, wenn der Hersteller die Preise senkt, um den Absatz im Ausmaß
der - aufgrund der zusätzlichen Samstagsschicht im beschriebenen Zweigwerk
möglich gewordenen - Mehrproduktion auszuweiten, können gegenläufige
Effekte in bezug auf die Beschäftigung auftreten: Daß bei gegebenen Geldlöh-
nen der Beschäftigten wegen der Preissenkung des Endprodukts deren "Real-
lohn" (gemessen in "Produkteinheiten PKW") steigt, löst bei unveränderter
Arbeitsproduktivität und höherer Kapitalproduktivität einen Druck in Richtung
"Capital deepening" aus - es kommt zu verstärkter Substitution von Arbeit
durch Kapital. Gleichzeitig ergibt sich durch die relative Kaufkrafterhöhung
allerdings ein - potentiell beschäftigungswirksamer - positiver Wohlfahrtsef-
fekt.
Grundsätzlich kann also festgehalten werden, daß eher dann, wenn die
Nachfrage nach dem betreffenden Produkt relativ preiselastisch reagiert, posi-
tive Beschäftigungseffekte einer lokalen Entkoppelung von Betriebszeiten und
Arbeitszeiten zu erwarten sind. Werden derartige Maßnahmen nicht nur auf
lokaler (bzw. nationaler), sondern auf Branchenebene (bzw. internationaler
Ebene) gesetzt, werden positive Effekte auf die Beschäftigung in statischer
Betrachtungsweise geringer ausfallen, weil die Marktnachfrage im Falle simul-
taner Preissenkungen aller Autoerzeuger relativ weniger elastisch reagieren
wird, als wenn ein einzelner Anbieter Marktanteilsgewinne durch Preissen·
kungen erzielen kann. Auch hier können die positiven Einkommenseffekte
sich aber auch wieder positiv auf die Beschäftigung auswirken.
In dynamischer Hinsicht kann man allerdings bei allgemeiner (branchen-
übergreifender) "Entkoppelung von Betriebszeiten und Arbeitszeiten" wegen
der steigenden Kapitalproduktivität und aufgrund des erwähnten Drucks in
Richtung "Capital deepening" auf eine - temporär - höhere Investitionsbereit-
schaft hoffen. Wenn der Nachfrageeffekt dieser Investitionen dem Kapazitäts-
effekt (und den eventuell folgenden Rationalisierungseffekten) vorauseilt, mag
sich daraus mittelfristig ein positiver Beschäftigungsimpuls ergeben. Darüber
hinaus könnte auch mit dem selben Kapitalstock (bei gegebenen Investitionen)
mehr Beschäftigung erzielt werden (höhere Arbeitsintensität).
1.2. Anpassung der Arbeitszeit an Produktionsschwankuneen
Werden Arbeitsspitzen durch Mehrarbeit abgedeckt, die in Zeiten geringe-
ren Arbeitsanfalls durch Zeitausgleich im Verhältnis 1 : I abgegolten wird,
kann das zum Abbau von zur Bewältigung von Arbeitsspitzen gehaltenen Per-
sonalreserven führen, vor allem wenn die Auftragslage in etwas längeren In-
tervallen schwankt. Freilich kann eine solche Anpassung der Arbeitszeit an die
Produktionsschwankungen auch den Effekt haben, gerade infolge der be-
schriebenen Rationalisierung und des dadurch erfolgten Abbaus von Über-
stundenbezahlung die Arbeitskosten so weit zu senken, daß dadurch der je-
        

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