Full text: Beschäftigungspolitik (72)

126 Zum ersten Mal enthält das Arbeitszeitgesetz eine Regelung der Rutbe- reitschafl:. Demnach kann Rutbereitschaft prinzipiell nur mehr an 10 Ta- gen pro Monat vereinbart werden. Der Kollektivvertrag kann eine Durchrechnungsregelung vorsehen. Von den beschriebenen Möglichkeiten kann grundsätzlich nur dann Ge- brauch gemacht werden, wenn dies ein Kollektivvertrag vorsieht. Kommt kein Kollektivvertrag zustande, so ist ein Schlichtungsverfahren vorgesehen, um einen solchen zu erzielen. Die zwischen den Sozialpartnern vereinbarten gesetzlichen Möglichkeiten der ArbeitszeitMFlexibilisierung sind in diesem Sinne nunmehr auf KV-Ebene rasch in Regelungen umzusetzen, die den Bedürfnissen Rechnung tragen und einen fairen Interessenausgleich sichern. 4. BeschAftigungseffekte durch Ladenschlußliberalisierung Die Beschäftigungszuwächse waren im Handel seit 1991 stets niedriger als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Gleichzeitig kam es zu Substitutions· effekten unter den Arbeitnehmern im Handel. Traditionell ist der Handel - wenngleich rückläufig - besonders als Arbeitgeber für Frauen von Bedeutung. Dies beruht nicht zuletzt auf dem Umstand, daß der Handel Teilzeitmöglich- keiten bietet. Fast 30% der im Handel beschäftigten Frauen weisen eine Nor- malarbeitszeit von weniger als 35 Stunden auf, was über dem gesamtwirt- schaftlichen Durchschnitt liegt. 95% der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Der Trend in Richtung Teilzeitarbeitsverhältnisse im Handel, vor allem für Frauen, steht in engem Zusammenhang mit der jeweiligen Regelung der La- denöffnungszeiten. In Deutschland haben etwa einige Unternehmen (z. B. Münchner Kaufhaus Beck) bereits vor der kürzlichen weitergehenden libera- lisierung durch Einsatz von Wahlarbeitszeiten und freiwilliger Teilzeitarbeit die Öffnungszeiten auf 70 Wochenstunden erhöht und gleichzeitig die durch- schnittliche Wochenarbeitszeit auf 20 bis 25 Stunden gesenkt. Der Zusam- menhang zwischen Ladenöffnung und dem Ausmaß von Teilzeitbeschäftigung beruht insbesondere darauf, daß zusätzliche Öffnungszeiten leichter und fle- xibler durch Teilzeitarbeit abgedeckt werden können. Es ist daher damit zu rechnen, daß eine Erweiterung der Öffnungszeiten bzw. vergleichbarer Be- triebszeiten in anderen Dienstleistungszweigen zwei unterschiedliche beschäf- tigungspolitische Effekte - den Ersatz von Vollzeitarbeitsplätzen durch Teil- zeitplätze einerseits, die Schaffung zusätzlicher Teilzeitarbeitsplätze anderer- seits - nach sich zieht. Mit I. Jänner 1997 wurde auch das österreichische Öffnungszeiten-Gesetz liberalisiert. Grundsätzlich gilt nunmehr: Montag bis Freitag ist eine Rahmen- öffnungszeit von 6 Uhr bis 19.30 Uhr zulässig, Samstag von 6 Uhr bis 17 Uhr. Der maximale wöchentliche Öffnungsrahmen beträgt dabei 66 Stunden. Mit der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, die Hand in Hand mit einer ge- setzlichen Absicherung der Freizeitqualität der Beschäftigten ging, wurde eine Regelung geschaffen, die einen Beschäftigungszuwachs im Handel ermögli- chen sollte.

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