Full text: Beschäftigungspolitik (72)

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zeigte noch einen Abgang von 0,56%). Als Vorreiter bewegten sich hier insbe-
sondere die größeren Einzelhandelsketten in präferierten Einkaufslagen und
Einkaufszentren. Allerdings entfallen von diesem Zuwachs gut zwei Drittel
(4.447) auf geringfügig Beschäftigte, die restlichen 2128 beinhalten Voll- und
Teilzeitbeschl1ftigte.
Bei der Bewertung des Netto-Beschäftigungseffektes wird deshalb auch auf
eventuell auftretende unerwünschte Effekte, wie etwa eine unfreiwillige Ver-
drängung in nicht-existenzsichernde Teilzeitjobs (insbesondere geringftlgig
Beschäftigte), die Zerstückelung von Vollzeitarbeitsplätzen in geringfügige
Beschäftigungen, die Aushöhlung der Finanzierungsgrundlage der Sozialver-
sicherung durch geringfügige Beschäftigungen oder allfällig auftretende uner-
wartete Strukturbereinigungen Bedacht zu nehmen sein. Eine Evaluierung
sollte darüber hinaus auch feststellen, inwieweit vorne beschriebene attraktive
Elemente der Teilzeitarbeit auch im Handel ihren Niederschlag finden (zur
allgemeinen Einschätzung der Teilzeitarbeit siehe Kapitel 2.2. - Teilzeitar-
bei!). Sollten sich nachhaltig positive Beschäftigungseffekte ergeben, sollten
vergleichbare Schritte in anderen Dienstleistungszweigen erwogen werden.
5. Arbeltllzeitmodelle zur BeschAftlgungsverlAnl:erunl: In
Saison branchen
In Bereichen, in denen aufgrund der Witterung oder vergleichbarer Bedin-
gungen die wirtschaftliche Tätigkeit nur während bestimmter Perioden pro
Kalenderjahr entfaltet wird, stellt sich das Problem, daß ein Großteil der in
diesen Bereichen Beschäftigten während der Nicht-Saison der Arbeitslosigkeit
anheimfiUlt. Dies führt vor allem zu überdurchschnittlicher Belastung der Ar-
beitslosenversicherung in diesen Branchen, starken Einkommensschwankun-
gen sowie zu Verringerung bzw. gänzlichem Entfall arbeitsrechtlicher An-
sprüche, die auf der Dauer der Dienstzeit aufbauen (Abfertigung, Urlaubsaus-
maß u. a.).
Neben anderen Maßnahmen, die Beschäftigungssaison zu verlängern, soll-
ten daher auch die Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung ftlr eine Verkür-
zung der jeweils arbeitslosen Periode ausgelotet und genutzt werden. Dabei ist
insbesondere der folgende Ansatz erfolgversprechend: In der Saisonspitze ist
der Arbeitsanfall oft so hoch, daß es zu beträchtlichen Überschreitungen der
Normalarbeitszeit kommt. Anstatt diese Überschreitungen zur Gänze in Form
von Überstundenentgelt auszuzahlen, erscheint es sinnvoll, die Abgeltung in
Form von Zeitausgleich durchzuführen, der so an das Ende der Beschäfti-
gungsperiode gelegt wird, daß er das Arbeitsverhältnis verlängert und damit
die Dauer der Arbeitslosigkeit verkürzt. Daftlr sind vor allem vier Modelle
denkbar und im Baubereich auch großteils kürzlich ermöglicht worden:
Geleistete überstunden werden mit dem gesetzlichen Zuschlag von 50%
(z. B. allfillligen höheren kollektivvertraglichen Zuschlägen bei Nacht-,
Sonntagsarbeit und dgI.) zu Zeitausgleich: 40 Überstunden verlängern
somit das Arbeitsverhältnis um die mindestens 60 Arbeitsstunden ent-
        

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