Full text: Beschäftigungspolitik (72)

V. NEUE BESCHÄFTIGUNGSFELDER
I. Beschllftigungspotentiale bei wirlschaftsnahen Dienstleistungen
Der Beirat fUr Wirtschafts- und Sozialfragen hat bereits in der Studie zum
"Wirtschaftsstandort Österreich" betont, daß leistungsfllhige wirtschaftsnahe
Dienstleistungsanbieter eine wesentliche Voraussetzung fUr die Sicherung des
Standortes und der Wettbewerbsfähigkeit sowie die Dynamisierung und Inter-
nationalisierung von Unternehmen sind. Eine aktuelle Studie des Industriewis-
senschaftlichen Instituts (IWI) und ein vom Beirat durchgefUhrtes Hearing be-
stätigen nicht nur diese Analyse, sondern zeigen darüber hinaus auch ein be-
sonderes Wachstumspotential dieses Sektors hinsichtlich Wertschöpfung und
Beschäftigung.
Die Nachfrage der Unternehmungen nach produktionsbezogenen (interme-
diären) Dienstleistungen ist eindeutig im Steigen begriffen. Ausschlaggebend
fUr dieses rasche Wachstum sind die Internationalisierung der Märkte, die In-
ternationalisierung der Produktion, die Spezialisierung der verarbeitenden In-
dustrie in den hochentwickelten Ländern auf Präzisionsprodukte, technisch
hochwertige Güter, Sonderfertigungen etc., die technische Komplexität vieler
Produkte, die zunehmende Komplexität betrieblicher Aufgaben und die Aus-
gliederung von Dienstleistungsfunktionen aus Betrieben der SachgUterproduk-
tion.
Die Beschäftigungsmöglichkeiten entstehen aber auch durch die Auslage-
rung von Dienstleistungen im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen (z. B.
Konzentration auf Kernbereiche, lean production). Diese wirken daher meist
antizyklisch, weisen ein überdurchschnittliches Qualifikationsniveau auf und
leisten einen positiven Beitrag bei der Anpassung an die im internationalen
Wettbewerb geforderte Flexibilität.
Obwohl genaue Analysen aufgrund der unzulänglichen Datenbasis nicht
möglich sind, zeigen seriöse Schätzungen (IWI) einen etwa 10prozentigen
Zuwachs bei Beschäftigung und Output sowohl in den achtziger Jahren als
auch in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts. 1991 betrug die Zahl der Beschäf-
tigten in diesem Sektor, bei steigender Tendenz, 143.000 (IWI-Studie). Der
Umsatz nähert sich der 200 Mrd. S-Marke.
Die Nachfrage nach wirtschafts nahen Dienstleistungen ist nicht nur durch
die im Wettbewerb und in der Marktentwicklung geforderte Kostenflexibilität,
sondern auch durch Investitionsersparnis motiviert. Vor dem Hintergrund der
nach wie vor schwachen Eigenkapitalausstattung österreichischer Unterneh-
men gewinnt dieses Motiv besondere Bedeutung.
Die Nutzung von externem Spezialwissen und Qualitlitsüberlegungen sind
in Phasen großer Anpassungserfordernisse eine Frage des Überlebens, weil
dadurch eine bessere Schaffung und Umsetzung von Know-how im internatio-
nalen Wettbewerb gewährleistet ist. Allerdings kann das Potential wirtschafts-
naher Dienstleistungen nur genutzt werden, wenn die Nachfrage auch kompe~
tent befriedigt werden kann.
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