Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Mittel· und langfristig ist weiterhin mit einer Zunahme des Arbeitskräfte-
angebots in Österreich zu rechnen. Die noch nicht abgeschlossene Beschäfti-
gungsstudie des Beirats fllr Wirtschafts- und Sozial fragen rechnet in den
nächsten zehn Jahren mit einer jährlichen Zunahme des gesamten Arbeitskräf-
teangebots von durchschnittlich etwa 10.000 Personen. Da es ohne Gegen-
steuerung auch in Zukunft zu einer Umschichtung von den Selbständigen
(einschließlich der Land- und Forstwirtschaft) zu den unselbständig Erwerbs-
tätigen kommen wird, wird fllr die unselbständig Beschäftigten ein etwas grö-
ßere Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen werden müssen. Zwar ist bei abneh-
mender Beschäftigung in der Sachgüterproduktion ein nicht unwesentliches
Potential an Beschäftigungsmöglichkeiten in einigen Bereichen des Dienstlei-
stungssektors zu erwarten, doch sind die derzeit prognostizierten mittelfristi-
gen Wachstumsraten der österreichischen Wirtschaft (IHS: 2% 1996-2000)
generell zu niedrig, um fllr den Zuwachs des Arbeitskräfteangebots eine ent-
sprechende Zahl von Arbeitsplätzen zu schaffen.
Nachfrageseitig werden sich darUber hinaus Herausforderungen fllr den Ar·
beitsmarkt durch die fortschreitende Globalisierung der Märkte, durch weitere
EU-Anpassungen früher geschützter Bereiche sowie durch weitere Integrati-
onsschritte der mittel- und osteuropäischen Länder ergeben.
Die Aufgabe der Wirtschaftspolitik ist daher eine zweifache:
I. Die Sozialpartner erwarten von der Bundesregierung, daß unmittelbar
alle MtJg/ichkeiten fUr kurzfristig wirksame Maßnahmen ausgeschöpft
werden, um 1996 die Beschiiftigung zu stabilisieren und den Anstieg der
Arbeitslosigkeit zu stoppen,
2. milssen mittelfristig wirksame Maßnahmen gesetzt werden, um die Dy-
namik der 6sterreichischen Wirtschaft zu verbessern und die Beschäfti-
gung so weit zu steigern, daß die zusiitz/ichen Arbeitskriifte beschiiftigt
und die zahl der Arbeitslosen gesenkt werden k6nnen.
Die Sozialpartner werden sich in ihren eigenen wirtschafts- und sozialpoli-
tischen Aktivitäten - wie in der Sozialpartnervereinbarung 1992 festgehalten -
gemeinsam konsequent um die Umsetzung des Zieles der Vollbeschäftigung
sowie um die Erhaltung und Verbesserung einer möglichst ausgewogenen So-
zialstruktur bemühen.
Nach Ansicht der Sozialpartner ist die Rückfllhrung des Finanzierungsde-
fizits des öffentlichen Sektors mittel- und langfristig eine Voraussetzung fllr
eine gesunde und stabile wirtschaftliche und soziale Entwicklung. In Anbe-
tracht der kurzfristig nachfragedämpfenden Auswirkungen der Budgetkonso-
lidierung ist es umso notwendiger, die vorhandenen Handlungsspielräume der
Wirtschaftspolitik fllr expansive und beschäftigungswirksame Maßnahmen
umfassend und umgehend zu nutzen.
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1. Infrastrukturinvestitionen
Investitionen in den Bereichen Verkehr, Umwelt, Energie und Telekom-
munikation verbessem nicht nur die Lebensqualität, sondem vor allem auch
        

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