Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Offensive" (Beschäftigungsgipfel der Paritätischen Kommission im Februar 1996) wird im Anhang beigefügt. Diese Studie stellt also nur einen Baustein, d. h. eine Ergänzung zur Stand- ortstudie, dar. Es muß unterstrichen werden, daß Beschäftigung und Arbeits- losigkeit nicht bloß Probleme des Arbeitsmarktes, sondern vielmehr der Wirt- schaftsentwicklung und damit auch der Wirtschaftspolitik sind. Arbeitsmarkt- und bildungspolitische Ansätze sind zwar notwendig, aber nicht ausreichend zur Steigerung der Beschäftigung. Die Arbeit des Beirats ist in sechs Kapitel aufgeteilt: Nach der vorliegenden Einleitung und den Empfehlungen bzw. Schlußfolgerungen folgt ein Teil zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, insbesondere auch in sektoraler Hinsicht. Das dritte Kapitel befaßt sich mit der Qualifizierung der Arbeitskräfte, konzen- triert auf die berufsbegleitende Weiterbildung und anknüpfend an die Beirats- studie "Qualifikation 2000". Der vierte Teil widmet sich dem Thema Arbeits- zeit und Beschäftigung und schließt an die beiden Beiratsstudien über "Ar- beitszeitentwicklung" und "Öffnungszeiten" an. Das fünfte Kapitel geht auf jene, vor allem Dienstleistungs-, Bereiche ein, für die sich der Beirat fUr die Zukunft ein hohes Beschäftigungspotential erwartet. Das sechste Kapitel schließlich widmet sich der aktiven Arbeitsmarktpolitik. 1.2. Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarktentwicklung Österreich ist es, nicht zuletzt aufgrund des Wirkenlassens der automati- schen Stabilisatoren, d. h. das kurzfristige Durchschlagen rezessionsbedingter Steuerausfl111e auf das Budgetdefizit, gelungen, die letzte Rezession ('92/'93) zu dämpfen und die Arbeitslosenrate im europäischen Vergleich niedrig zu halten. Eine solche Politik verhindert das Entstehen einer Sockelarbeitslosig- keit, die sich dann strukturell verfestigt und auch im Konjunkturaufschwung kaum mehr abbauen läßt. Dennoch ist die Beschäftigung in Österreich wie in ganz Europa zu einem vordringlichen Anliegen der Politik geworden. Die Arbeitslosigkeit steigt in jedem Konjunkturabschwung, im Aufschwung geht sie kaum zurück, was auf ein strukturelles Problem schließen läßt. In der Industrie bleibt die Produkti- onssteigerung seit Jahren weit hinter dem hohen Produktivitätswachstum zu- rUck. Auch in Zukunft muß damit gerechnet werden, daß die Beschäftigung in der Industrie weiter deutlich zurückgehen wird. Einen quantitativen Ausgleich tur die schwindenden Arbeitsplätze in der Industrie könnten insbesondere die Bereiche wirtschaftsnahe, soziale und persönliche Dienstleistungen bieten. In Österreich ist vor allem der Anteil wirtschaftsnaher Dienstleistungen relativ niedrig, hier scheint noch ein beträchtlicher Expansionsspielraum zu bestehen. Derzeit ist, bei gegebener durchschnittlicher Arbeitszeit, ein Wirtschafts- wachstum von etwa 2% erforderlich, um den Beschäftigungsstand zu halten. Da aber das Angebot mittelfristig um rund 0,5% wächst, mUßte die Wirtschaft um etwa 2,5% wachsen, damit die Arbeitslosenquote konstant bleibt. Das ent- spricht etwa optimistischeren mittelfristigen Wachstumsprognosen. Wirt- schaftswachstum allein wird also wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Ar- 36

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