Full text: Beschäftigungspolitik (72)

formation der Erwachsenen über die breite Palette der Weiterbildungsmög-
lichkeiten (via Datenbanken und zentrale Informationsstellen).
Die Ausbildungs- und Berufswahl scheint sich nach wie vor zu sehr an
momentanen individuellen Interessen und Präferenzen statt an den langfristi-
gen Berufschancen zu orientieren. Kostenlose Ausbildung fUr private Interes-
sen mit nachfolgender kostenloser Umschulung bedeutet gesamtwirtschaftlich
und -gesellschaftlich eine ineffiziente Verwendung der zur VerfUgung stehen-
den Mittel.
Die Forderung nach einer Verbesserung der Berufsberatung fUr Maturanten
ist nach wie vor aktuell, obschon durch den Ausbau von Studien- und Berufs-
informationsmessen sowie Beratungszentren bereits Fortschritte erzielt wur-
den. Die Berufsinformationszentren sollten verstärkt auch auf die Bedürfnisse
erwachsener Ratsuchender ausgerichtet werden.
Für die Hauptschule und AHS-Unterstufe haben die Sozialpartner ein Kon-
zept zur Neugestaltung von Berufs- und Bildungswegorientierung erarbeitet,
dessen Umsetzung in der Arbeitsgruppe des Unterrichtsministeriums vorange-
trieben werden sollte.
2.1.8. Lehrlingsausbildung
Die duale Berufsausbildung hat zweifellos ihre Verdienste fUr die Integrati-
on junger Menschen in das Arbeitsleben. Sie hat sicherlich in den letzten Jahr-
zehnten zur Verbesserung des Facharbeiterangebots fUr die Wirtschaft und zur
niedrigen Jugendarbeitslosigkeit beigetragen.
Reformen sind jedoch auch in diesem Bereich notwendig: Nur eine breit
angelegte berufliche Erstausbildung, die verstärkt auf die Vermittlung immer
wichtiger werdender sozialer und kommunikativer Fähigkeiten abstellt, wird
den notwendigen Beitrag zur Sicherung des Standorts Österreich und zur Mo-
tivation zu berufsbegleitender Weiterbildung leisten können.
Im Bereich der Lehrlingsausbildung ist eine bedarfsorientierte Ausbildung
in breiter angelegten Lehrberufen anzustreben. Die Sozialpartner einigten sich
deshalb auf die Etablierung von "Gruppenlehrberufen" mit Fachrichtungen.
Weiters soll der Anteil technisch hochwertiger Lehrplätze erhöht werden.
Jugendliche müssen stärker zu technisch hochqualifizierten Lehrberufen mo-
tiviert werden, gleichzeitig sollten Lehrplätze in diesen Bereichen besonders
forciert werden. Die Sozialpartner einigten sich unter anderem auf eine Förde-
rung der Lehrwerkstätten. In einfacheren Lehrberufen sind die Abwande-
rungsquoten oft sehr hoch, Umschulungen in andere, berufsfremde Bereiche
nicht selten.
Die Möglichkeit fUr Lehrabsolventen, über entsprechende Bildungsgänge
eine "berufliche Reife" (mit Hochschulberechtigung) erlangen zu können, ist
ein wesentlicher Schritt zur Aufwertung des Facharbeiters.
Im Bereich der dualen Berufsausbildung sind aber nicht nur qualitative
Weiterentwicklungen, sondern auch akute quantitative Probleme zu bewälti-
gen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den Folgen des sinkenden
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