Full text: Beschäftigungspolitik (72)

mittelfristig ein positiver Beschäftigungsimpuls ergeben. Darüber hinaus
könnte auch mit dem selben Kapitalstock (bei gegebenen Investitionen) mehr
Beschäftigung erzielt werden.
Verlängerte Betriebszeiten als Maßnahme im Standortwettbewerb fUr be-
stimmte Betriebe oder Branchen sind vor allem dann notwendig, wenn andere
Länder mit ähnlichen Produktionsbedingungen wie Österreich den internatio-
nal operierendon Unternehmen über die Entkoppe1ung von Betriebszeiten und
Arbeitszeiten eine deutlich höhere Kapitalproduktivität offerieren. Der Beirat
empfiehlt daher unter dem Gesichtspunkt der Beschäftigungssicherung insbe-
sondere fl.Ir Bereiche mit hoher Kapitalintensität der Produktion die Entkoppe-
lung von Betriebszeiten und Arbeitszeiten zur Ermöglichung von Kosten- und
Preissenkungen, soweit dies unter Wahrung berechtigter Arbeitnehmerinteres-
sen möglich ist.
2.2.2. Anpassung der Arbeitszeit an Produktionsschwankungen
In jenen Bereichen, in denen Flexibilität fUr die Nachfrage durch die Kon-
sumenten oder nachgelagerte Unternehmen eine entscheidende wettbewerbsre-
levante Qualitätsdimension ist, kann eine Anpassung der Arbeitszeit an Pro-
duktionsschwankungen eine sinnvolle Maßnahme sein.
Der Beirat empfiehlt daher, bei der Umsetzung der neuen Möglichkeiten
des Ausgleichs von Auftragsschwankungen durch Anpassung der Arbeitszeit
an Produktionsschwankungen auf die Beschäftigungswirkung zu achten. Posi-
tive Beschäftigungseffekte sind insbesondere zu erwarten, wenn Mehr- und
Überstunden abgebaut und der Zeitausgleich vor allem in geblockter Form er-
folgt. über den jeweils praktischen Einsatz muß von den Sozialpartnern auf
betrieblicher bzw. überbetrieblicher Ebene entschieden werden.
2.2.3. ArbeitszeitverkiJrzung
Wird die Regelarbeitszeit verkürzt, so bietet dies theoretisch die Möglich-
keit, das vorhandene Arbeitsvolumen auf mehr Menschen aufzuteilen. Diese
Möglichkeit wird insbesondere angesichts der durch den steten technischen
Fortschritt bedingten Steigerung der Kapitalproduktivität weiter Bestandteil
des Repertoires der Arbeitszeitpolitik sein.
Allerdings können auch gegenläufige - also negativ beschäftigungswirksa-
me - Nebeneffekte auftreten: Diese ergeben sich vor allem aus der Verschlech-
terung der internationalen Weubewerbsfähigkeit der Betriebe und der daraus
resultierenden - je nach Wirtschaftsbereich unterschiedlich möglichen -
Überwälzung der Kosten auf die Preise. Voraussetzung fUr eine positive Be-
schäftigungswirkung von Arbeitszeitverkürzung ist weiters grundsätzlich eine
relative Homogenität des Arbeitsmarktsegmentes; bei einem segregierten Ar-
beitsmarkt (z. B. Facharbeitermangel) ist mangels Arbeitskräfteangebot kein
Beschäftigungseffekt zu erwarten.
Daraus ergibt sich, daß das Problem der Arbeitszeitverkürzung am besten
den KV-Partnem in deren Verantwortungsbereich zu überlassen und vorerst
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