Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Die Arbeitsmarktprognose zeichnet daher weiterhin kein günstiges Bild der
Arbeitsmarktentwicklung. Sowohl gesamtwirtschaftliche wie auch sektorale
Produktivitätsentwicklung lassen erwarten, daß sich der Beschäftigungsabbau
im weiteren Jahresverlauf zwar abschwächen könnte, aber insgesamt bis weit
ins Jahr 1997 andauern wird. Die Arbeitslosenquote erreichte 1996 die
7%-Marke (nach nationaler Definition) und dürfte heuer weiter auf etwa 7Y:2%
ansteigen. Nach EU-Definition entspricht dies Werten von 4,1% (1996) und
4,2% (1997). Wenngleich die Arbeitslosigkeit in Österreich daher im interna-
tionalen Vergleich relativ günstig liegt, besteht dennoch auch in Österreich
Handlungsbedarf.
3. Die zyklische Sensitivität der Arbeitsmarktentwicklung
österreich konnte im letzten Konjunkturzyklus einen hohen Beschäfti-
gungszuwachs verzeichnen (+238.502 im Zeitraum 1986-1994). Dennoch muß
auch in Österreich eine spezifische konjunkturelle Reagibilität der Arbeitslo-
sigkeit festgestellt werden. Diese kann ~ in einem mechanischen Sinn - auf
das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zurnckgefUhrt werden: das Ausmaß
der zyklischen Schwankungen der Produktion, die Reaktion der Beschäfti-
gungsnachfrage auf Output-Schwankungen und, nicht zuletzt, die zyklische
Variabilität des Arbeitskräfteangebots. Schließlich wirkt auch die konjunktu-
relle Reagibilität der Reallöhne dämpfend auf die Schwankungen von Produk-
tion und Beschäftigung.
Hinsichtlich der Intensität zyklischer Output-Schwankungen findet sich
Österreich im unteren Mittelfeld der OECD-Länder, in etwa gleichauf mit
Deutschland und den Niederlanden. In Österreich schlagen sich indes konjunk-
turelle Produktionsschwankungen kurzfristig im Schnitt nur zu etwa einem
Drittel in Änderungen der Beschl1ftigungsnachfrage nieder; Österreich zählt
damit zu den Ländern mit relativ stark ausgeprägten prozyklischen Produktivi-
tätsschwankungen. Dieser Umstand ist indes nicht unmittelbar mit dem Phä-
nomen der Arbeitskrllftehortung im Konjunkturabschwung, Kurzarbeit und
sonstigen Arbeitszeitreaktionen gleichzusetzen; die relativ hohe Flexibilität der
Reallöhne im allgemeinen und die weniger konjunkturanfilllige Beschäfti-
gungsexpansion in den privaten und öffentlichen Dienstleistungen im speziel-
len haben ebenfalls in beträchtlichem Maße zur zyklischen Stabilisierung der
Beschäftigung beigetragen.
Das bemerkenswerteste Ergebnis ist aber zweifellos, daß Österreich (ge-
meinsam mit der Schweiz) von allen OECD-Ländern die höchste Reagibilitl1t
des Arbeitskräfteangebots auf zyklische Beschäftigungsschwankungen auf-
weist. Das hohe Ausmaß prozyklischer Arbeitskräfteangebotsreaktionen
dämpft damit im Konjunkturabschwung den Anstieg der Arbeitslosigkeit, al-
lerdings kommt es aber auch im Konjunkturaufschwung zu keinem deutlichen
Abbau der Arbeitslosigkeit.
Die überaus stark ausgeprägten zyklischen Schwankungen des Arbeitskräf-
teangebots bewirken in konjunkturell schlechten Zeiten eine zumindest tempo-
räre Entlastung bei der Arbeitslosigkeit; langfristig gesehen geht von derarti-
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