Full text: Beschäftigungspolitik (72)

- einer anhaltenden Erhöhung des Anteils der Frauen, die wirtschaftliche
Unabhängigkeit erreichen wollen.
Basierend auf diesen Grundannahmen wurden von EUROSTAT u. a. auch
ftlr Österreich zwei Szenarien der Erwerbsquotenentwicklung berechnet: eine
niedrige Erwerbsquotenvariante und eine hohe. Diese Szenarien waren Aus-
gangspunkt ftlr eine mittlere Variante der Projektion seitens des WIFO, die für
plausibler gehalten wird als das Konvergenzszenario (hohe Variante) und die
Weiterftlhrung der Trends der achtziger Jahre (niedrige Variante).
Das Szenario für die niedrige Erwerbsbeteiligung:
Diesem Szenario liegt eine "pessimistische" Wirtschaftswachstumserwar-
tung zugrunde. Das Problem der Arbeitslosigkeit bleibt ein fundamentales
Sozial- und Wirtschaftsproblem. Unter diesen Bedingungen werden sich die
Erwerbschancen der Frauen und älteren Arbeitskräfte kaum verbessern. Eine
knappe Budgetsituation wird kaum eine Ausweitung der Kinderbetreuung zur
Erleichterung der Kombination von Beruf und Familie zulassen. Daraus resul-
tiert, daß der im internationalen Vergleich schwache Anstieg der Frauener-
werbsbeteiligung in Österreich auch in Zukunft aufrecht bleibt.
Das Szenario für die hohe Erwerbsbeteiligung:
Das Zusammenwirken verschiedener Faktoren (positive Integrationseffekte
durch EU-Mitgliedschaft, Meisterung der Umstrukturierung/Reallokation und
zunehmende Integration mit östlichen Nachbarländern) erlaubt ein optimisti-
sches Wirtschaftswachstumsszenario. Flexible Beschäftigungsformen werden
in allen Bereichen üblich und erlauben einen leichteren Eintritt in die Arbeits-
märkte. Ein wachsender Dienstleistungssektor bietet zunehmend Arbeitsmög-
lichkeiten insbesondere ftlr Frauen. Vermehrte Arbeitsteilung der Geschlechter
im Bereich der HausarbeitlKinderbetreuung wird ublich (akzeptiert). Dieses
Szenario orientiert sich weniger an den Trends der Vergangenheit Österreichs,
sondern vor allem an der Überlegung, daß es zu einer Konvergenz der Ar-
beitswelt innerhalb der EU kommen wird, wobei sich EUROSTAT an der
Entwicklung Dänemarks orientiert.
Mittleres Szenario = Hauptvariante
Im mittleren Szenario wird davon ausgegangen, daß es im Falle der Männer
mit Ausnahme der Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) zu einer Anpassung des Er-
werbsmusters der Männer an den EU-Typus kommen wird. Eine Verknappung
von Arbeitskräften sowie die Kostenbelastung der hohen Zahl von Pensioni-
sten und Invaliden werden die Auslöser ftlr eine Anhebung der Erwerbsbetei-
ligung in allen Altersgruppen außer den Jugendlichen sein. Bei letzteren wUrde
das EU-Konvergenzszenario (dänisches Muster) einen Strukturbruch rur
Österreich darstellen, der mit einem Wandel der Ausbildung und der Ju-
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