Full text: Beschäftigungspolitik (72)

7.3.2. Distributive Dienstleistungen
Die Zahl der unselbständig Beschäftigten stieg im Handel von 1986 bis
1994 um 58.000, wobei ein erheblicher Teil davon auf zusätzliche Teilzeitbe-
schäftigte entfiel. Auch im Verkehrs- und Nachrichtenwesen nahm die Be-
schäftigung zu, und zwar leicht überproportional.
- Zunehmende Arbeitsteilung, Dezentralisierung der Produktion und In-
ternationalisierung erhöhen den Bedarf an distributiven Dienstleistun-
gen.
Was den Produktivitätsfortschritt anbelangt, sind die meisten dieser
Dienste dem "progressiven" Typ zuzuordnen. Im Nachrichtenwesen er-
möglichten die modernen Informations- und Kommunikationstechniken
rapiden arbeitssparenden technischen Fortschritt, dennoch stieg die Be-
schäftigung in diesem Bereich. Im Handel führten organisatorische
(Selbstbedienung, Flexibilisierung der Arbeitszeit, Versandhandel) Neu-
erungen und technischer Fortschritt Produktivitätssteigerungen herbei.
7. 3. 3. Personenbezogene Dienstleistungen
Die Beschäftigung in den Wirtschaftsklassen Fremdenverkehr, Körperpfle-
ge - Reinigung sowie Kunst - Unterhaltung - Sport stieg 1986/1994 jeweils
um mehr als 20%. Die Häuslichen Dienste waren der einzige Dienstleistungs-
bereich, in dem die Beschäftigung fiel.
Folgende Faktoren begünstigten im Zusammenwirken die Expansion der
Beschäftigung in den personenbezogenen Diensten:
- hohe Einkommenselastizität der Nachfrage (Streben nach Erlebnis statt
nach Waren);
- zunehmende Freizeit;
- stagnierende Produktivität der meisten dieser Dienstleistungen;
- steigende Frauenerwerbstätigkeit (nachfrage- und angebotswirksam).
Diese Tendenzen wurden allerdings durch entgegen gerichtete Effekte teil-
weise kompensiert:
Da die Arbeitsproduktivität stagnierte, die Löhne aber im großen und
ganzen im gleichen Ausmaß stiegen wie in der Sachgüterproduktion,
nahmen die Kosten personenbezogener Dienste weit überproportional zu
(Baumolsche Kostenkrankheit). Die Konsumenten reagierten darauf, in-
dem sie den Ankauf dieser Dienstleistungen teilweise durch Eigenpro-
duktion substituierten oder in die Schattenwirtschaft auswichen. Die Ei-
genarbeit der Konsumenten (vermehrte Freizeit) und die Verwendung
kostengünstiger technischer Haushaltsgeräte (Industrialisierung der
Haushalte) hob die Produktivität der Eigenproduktion wesentlich an.
Dieser Trend begünstigte jene Industriebranchen, welche langlebige Ge-
brauchsgüter herstellen.
84
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.