Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Die Dienstleistungsproduzenten reagierten auf den überproportionalen
Kostenanstieg, indem sie die Bemühungen um Produktivitätserhöhungen
durch Standardisierung (Beispiel fast food), organisatorische Verbesse-
rungen und Einsatz von Maschinen etc. verstärkten.
- lnfolge der hohen Abgabenbelastung des Produktionsfaktors Arbeit liegt
der Brutto-Stundenpreis der Dienstleistungserbringer, d. h. die Kosten
personenbezogener Dienstleistungen, in der Regel (weit) über dem Net-
to-Stundenlohn der Dienstleistungsnachfrager. Der Durchschnittsverdie-
ner kann sich eine offiziell erbrachte Dienstleistung demnach kaum lei-
sten. Dies begünstigt das Wachstum der Schattenwirtschaft.
Auch der "Hunger nach Tertiärem" weist Sättigungsgrenzen auf. Als Be-
schränkung fungiert insbesondere der Zeitaufwand, den der Konsum von
kulturellen, unterhaltenden, pflegenden etc. Diensten erfordert.
7.3.4. Administrative und soziale Dienstleistungen
Die Zahl der unselbständig Beschäftigten in den Öffentlichen Einrichtun-
gen nahm 1986/1994 um 75.500 zu, im Gesundheitswesen um 41.800. Im
Unterrichtswesen war der Zuwachs nur leicht überdurchschnittlich.
- Die Nachfrage nach Leistungen des Bildungs-, Gesundheits- und Für-
sorgewesens ist wesentlich von der Altersstruktur der Bevölkerung ab-
hängig.
Die Dienstleistungen dieser Kategorie leiden ebenfalls an der Baumol-
sehen Kostenkrankheit; sie sind dem Typus "stagnierender" oder besten-
falls jenem "asymptotisch stagnierender" Dienstleistungen zuzuordnen.
- Der soziale Bedarf an Leistungen des Unterrichts- und Gesundheitswe-
sens einerseits, die hohen Kosten der Leistungserstellung in diesen Be-
reichen andererseits bedingen die Finanzierung dieser Leistungen über
Steuern und Abgaben. Aufgrund der weit überdurchschnittlichen Ko-
stenerhöhungen stößt die Ausweitung der genannten Leistungen an fi-
nanzielle Grenzen. Diese Grenzen bestehen zum einen im Steuerwider-
stand der Steuerzahler bzw. Abgabeptlichtigen, zum anderen in der
Notwendigkeit der Budgetkonsolidierung.
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