Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Ill. QUALIFIKATION
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1. Evalulerung der Beiratsstudien "Qualifikation 2000" und
"Wirtschaftsstandort Österreich"
1.1. VorbemerkunI:
Im vorliegenden Kapitel wird dargestellt, ob bzw. inwieweit die das Bil-
dungswesen betreffenden Empfehlungen des Beirats ftlr Wirtschafts- und So-
zialfragen aus den Studien "QualifIkation 2000" und "Wirtschaftsstandort
Österreich" bislang umgesetzt wurden. Derartige Empfehlungen sind im nach-
folgenden Text kursiv gestellt. Ausgangspunkt der Überlegungen und Empfeh-
lungen aus der Beiratsstudie "QualifIkation 2000" bildet die Feststellung, daß
die relative Bedeutung der schulischen bzw. universitären Berufsvorbildung
und der beruflichen Erstausbildung tendenziell abnimmt, während die Aktuali-
tät und Angemessenheit der beruflichen Qualifikation im vermehrten Umfang
durch Maßnahmen der Weiterbildung zu bewerkstelligen sein werden. In die-
sem Zusammenhang kann ein der Erwerbsll1tigkeit vorgelagertes "Lernen auf
Vorrat" im Bildungssystem der Zukunft funktional nur mehr in enger werden-
den Grenzen sinnvoll sein.
Die Maßnahmen im Bildungssystem sollten daher im sttirkeren Umfang
neben der Anbahnung konkreter berufsfachlicher Kompetenzen vor al-
lem auch auf solche Bildungsinhalte abgestellt sein, die sich als Grund-
lage ftlr weitergehende Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung (etwa
im Sinne von Schlüsselqualifikationen) als zweckmiißig erweisen.
- Analog ergeben sich komplementäre Implikationen im Hinblick auf
Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung, die konzeptionell maßge-
schneidert auf bereits erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten aufbauen
sollten.
Gerade vor dem Hintergrund einer wachsenden Bedeutung der beruflichen
Weiterbildung ergibt sich nicht zuletzt die Notwendigkeit einer Neubetrach-
tung in den Lehrplänen der Schulen. Die GrUnde ftlr erforderliche Beschrän-
kungen in der Erstausbildung sind vielschichtig. Zu nennen sind u. a. die Ge-
fahr einer inhaltlichen und zeitlichen überfrachtung des betreffenden Bil-
dungsganges sowie die mit der Erstellung langfristiger Berufsentwicklungs-
prognosen verbundenen Unsicherheiten. Für das Bildungssystem ist ferner
festzustellen, daß allfällige strukturelle Veränderungen mit einem beträchtli-
chen Zeitaufwand verbunden sind, so daß die getroffenen Maßnahmen trotz
vielversprechender AbstimmungsbemUhungen insbesondere im berufsbilden-
den Schulwesen nur schwerlich mit der Dynamik einer sich ändernden Ar-
beits- und Berufswelt Schritt zu halten vermögen. Aufgrund dieser Ausgangs-
lage ist es nicht sinnvoll, den Bildungsauftrag der Schule auf die Vermittlung
unmittelbar beruflich verwertbarer QualifIkationen zu beschränken.
In diesem Sinne ergibt sich eine funktionale Aufgabenteilung zwischen
dem Lernen, das der Erwerbstlttigkeit vorgelagert ist, und dem Lernen der be-
        

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