Full text: Beschäftigungspolitik (72)

Weiterbildung haben sich seit 1986 nahezu verdoppelt, in manchen Bereichen
sogar verdreifacht.
2.4. Angebote filr die berufliche Weiterbildung im Rahmen des Schul-
und HochschulllYlItems
2.4.1. Zweiter Bi/dungsweg
Unter der Bezeichnung "Zweiter Bildungsweg" sind alle Einrichtungen des
österreichischen Bildungssystems zusammengefaßt, die in erster Linie bereits
Berufstätigen die Möglichkeit bieten, bessere bzw. zusätzliche Qualifikationen
mit staatlich anerkannten AbschlUssen zu erwerben, und zwar zumeist in
Abendform: von der Ebene der berufsbildenden mittleren Schulen bis zur Rei-
feprUfung auf der Ebene der allgemeinbildenden oder berufsbildenden höheren
Schulen bzw. einer StudienberechtigungsprUfung und Weiterbildungsangebo-
ten im gesamten postsekundären und tertiären Bereich.
Auf der Ebene der berufsbildenden mittleren Schulen sind die Meisterschu-
len und Meisterklassen, ferner die Werkmeisterschulen und Werkmeisterlehr-
gänge besonders zu erwähnen. Beide vermitteln nicht nur eine fachlich ein-
schlägige Weiterbildung in einem sehr breiten Spektrum von Fachbereichen.
Mit ihrem Abschluß ist bzw. soll auch ein beruflicher Befl1higungsnachweis
bzw. ein Berechtigungsnachweis als "Meister"/"Werkmeister" verbunden sein.
Außerdem bieten die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen
"Speziallehrgänge" und sonstige "Kurse und Lehrgänge" an, die der Erweite-
rung der fachlichen Kenntnisse dienen. Zur Vorbereitung auf Schulen fllr Be-
rufstätige werden darUber hinaus entsprechende "Vorbereitu~gslehrg!1nge" ge-
fllhrt.
Es stellt ein bildungspolitisches "Paradoxon" dar, daß die Möglichkeit, die
Matura (sowohl die AHS- als auch die BHS·Matura) gebUhrenfrei nachzuho-
len, schon seit längerem besteht, die grundlegende Voraussetzung zum nach-
träglichen Erwerb der Matura, nämlich der Hauptschulabschluß, dagegen ko-
stenpflichtig ist (eine Ausnahme sind die Lehrgänge des BFI Wien, die uber
das BMUkA und das AMS Wien gefördert werden, jedoch nur fllr Arbeitslose
zugänglich sind). Zudem verfllgen gerade die Arbeitnehmerinnen, die keinen
Hauptschulabschluß vorweisen können und zumeist als angelernte Hilfskräfte
beschäftigt sind, in der Regel uber ein nur geringes Einkommen.
Das Fehlen eines positiven Pflichtschulabschlusses fllhrt zu dramatischen
Benachteiligungen im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt; die Mög-
lichkeit, diesen "Baustein" zur beruflichen Biographie nachträglich und ko-
stenlos erwerben zu können, ist daher eine der bildungspolitisch primären
Zielsetzungen. Hier muß der Beitrag der öffentlichen Hand eingefordert wer-
den.
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