Volltext: Immobilienmakler

Im Ergebnis stellt sich für Österreich somit die Doppeltätigkeit des Immobilien­
maklers zwar als grundsätzlich zulässig dar, die Erfahrungen der Praxis zeigen 
jedoch, daß die erforderliche symmetrische lnteressewahrung keineswegs selbst­
verständlich ist. Dies legt nahe, daß die von § 3 MaklerG geforderte und für Ver­
brauchergeschäfte in § 30b KSchG noch konkretisierte (beiderseitige) lnteresse­
wahrungspflicht gegenüber den Wohnungssuchenden überaus häufig nicht dem 
Gesetz entsprechend wahrgenommen wird, was zu Ansprüchen auf Provisions­
minderung nach § 3 Abs 4 MaklerG führen kann, da auch eine Im Vergleich zur 
Tätigkeit für den Abgeber geringere Verdienstlichkeit vorliegt. 
Rechtsprechung und Literatur haben sich, soweit Oberblickbar, mit dieser beson­
deren Problematik der „symmetrischen lnteressewahrung" in Österreich noch nicht
auseinandergesetzt. Die in Deutschland (anders als übrigens - bei vergleichbarer 
Gesetzeslage - in der Schweiz) akzeptierte Praxis, daß ein Makler gegenüber einem 
Auftraggeber als Vermittlungsmakler, gegenüber dem zweiten Auftraggeber aber 
bloß als Nachweismakler tätig wird, scheint für Österreich zumindest im 
Verbrauchergeschäft durch die mit§ 30b KSchG eingeführten besonderen 
Informationspflichten des Maklers nicht zulässig. 
Auch ungeachtet aller rechtspolitischen Bedenken gegen die Doppeltätigkeit der 
Immobilienmakler ist daher bereits nach gattender Rechtslage jene weit verbreitete 
Form der Doppeltätigkeit, bei der gegenüber dem Abgeber eine intensivere Bera­
tungs- und lnfonnationstätigkett entfaltet wird als gegenüber dem Nachfrager, als 
rechtlich in höchstem Maße bedenklich zu einzustufen. Für eine abschließende 
Beurteilung fehlt derzeit noch Judikatur; die mit dem Mak!ergesetz neugeschaffene 
Möglichkeit der Provisionsminderung im Falle wesentlicher Pflichtverletzungen des 
Maklers wäre jedoch ein wichtiger Ansatzpunkt, um anhand einiger Musterverfahren 
eine entsprechende Entwicklung in der Rechtsprechung einzuleiten. 
2A. Doppeltätigkeit von Immobilienmaklern in anderen 
europäischen Staaten 
Die in Österreich übliche Tätigkeit des Immobilienmaklers für beide Seiten des 
abzuschließenden Vertrages ergibt sich keineswegs zwangsläufig aus der "Natur 
der Sache" - wegen des notwendigen .Dazwischenstehens" zwischen den Vertrags­
partnern -, wie dies häufig dargestellt wird. Tatsache ist, daß die Doppeltätigkeit 
zwar ein jahrzehntelanger Geschäftsgebrauch in Österreich ist, sich in anderen 
Ländern aber teilweise recht unterschiedliche Systeme der Maklertätigkeit heraus­
gebildet haben. Besonders klar ist die ausschließlich einseitig interessenbezogene 
Tätigkeit des Maklers in Großbritannien oder Dänemark, aber auch - wenngleich 
eigentlich nur durch Verhaltenskodices abgesichert - in den Niederlanden. Während 
in Italien, Frankreich, Finnland und Norwegen die beidseitige Tätigkeit des Maklers 
zulässig und weitverbreitet ist (in Schweden sogar vorgeschrieben), hat sie in etwa 
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