Full text: Immobilienmakler

Parteien des zu vermittelnden Geschäfts angeht. Die Rechtsprechung ist - ähnlich 
wie zumindest die ältere Rechtsprechung in Österreich - sehr großzügig bei der 
Annahme eines schlüssigen Vermittlungsauftrages, sodaß in der Regel schon das 
widerspruchslose Hinnehmen einer Tätigkeit des Maklers, ohne daß eigentlich ein 
expliziter Vermittlungsauftrag gegeben wird, eine Provisionspflicht {auch) auf der 
Nachfragerseite auslöst. 
2.4.3. Niederlande 
Nach niederländischem Recht (Art. 7:427 des Bürgerlichen Gesetzbuches) können 
Wohnungsvermittler grundsätzlich für beide Vertragspartner des zu vermittelnden 
Vertrages tätig werden, sofern ein klarer Auftrag vorliegt, der Interessenkonflikte 
zwischen den Auftraggebern verhindert und sofern - im Fall eines Verbraucher­
geschäfts - der Vertrag schriftlich geschlossen wird. In der Praxis ist jedoch 
zwischen Maklern im engeren Sinn (makelaars onroerende zaken) und Vermittlern 
(bemiddelaars) zu unterscheiden. Während für makelaars detaillierte Rechtsvor­
schriften bestehen, die insbesondere strenge Zulassungsvoraussetzungen (Prüfung, 
Vereidigung vor Gericht). einen Bezeichnungsschutz sowie auch einen 
Disziplinarkodex beinhalten, sind bemiddelaars ein weitgehend freies, unreguliertes 
Gewerbe. Bemiddelaars sind vorwiegend in der Vermittlung von Mietverträgen tätig, 
makelaars vermitteln sowohl Kauf- als auch Mietverträge. 
Im Bereich der makelaars sind Berufsorganisationen von besonderer Bedeutung, 
zumal diese auch Verhaltenskodices aufstellen und überwachen. Wesentlichste 
Organisation ist die Niederländische Maklervereinigung NVM (Nederlandse 
Vereniging van Makelaars), der mit Ober 2500 Mitgliedern die überwiegende Mehr­
zahl der makelaars angehört. Der Verhaltenskodex der NVM hält fest, daß ein 
Makler keinen Vertrag eingehen wird, der eine Immobilie betrifft, für die er bereits 
einen Auftrag von einem anderen Auftraggeber hat Sollten Interessenkonflikte aus 
bereits eingegangenen Aufträgen entstehen (etwa wenn ein Auftrag zur Vermittlung 
eines Verkaufs möglicherweise mit einem Auftrag zur Vermittlung eines Kaufs 
.zusammenpassen" würde), so ist der Makler verpflichtet, mit den Auftraggebern in 
Verhandlungen einzutreten, um einen der beiden Aufträge zu beenden oder zu 
suspendieren. Sollte dennoch ein Vertrag zwischen zwei Auftraggebern desselben 
Maklers abgeschlossen werden, so darf der Makler nur die Provision von einem 
Auftraggeber einfordern. 
Entsprechend der überragenden Bedeutung der Niederländischen Maklervereini­
gung, die die Einhaltung des Verhaltenskodices auch durch Vertragsstrafen sichert, 
ist die - grundsätzlich gesetzlich zulässige - Doppeltätigkeit von Maklern daher im 
Eigentumsbereich äußerst selten. Hingegen sind bemidde/aars bei der Vermittlung 
von Mietverträgen grundsätzlich frei, im Auftrag beider (potentiellen) Vertragspartner 
35 BGE 11111369 
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