Full text: Immobilienmakler

anderen Auftraggeber zugestimmt haben. Der Verkauf von Liegenschaften (Häusern
und auch Eigentumswohnungen) erfolgt sehr häufig im Rahmen von
Versteigerungen, die von Maklern anberaumt und durchgeführt werden. Daher 
erfolgt auch die Lizenzierung der Makler in aller Regel als • zur Versteigerung 
befugter • .Auctioneer" (was eine bestimmte Ausbildung sowie finanzielle Sicher­
heiten voraussetzt); nur wenige Makler sind als reine „House Agents• zugelassen, 
die keine Versteigerungen durchführen (dürfen). Im Rahmen der Versteigerung ist 
eine Doppeltätigkeit schon aufgrund der Natur der Versteigerung, die keine ver­
mittelnde Tätigkeit für den Nachfrager ermöglicht, ausgeschlossen. Soweit eine 
Doppeltätigkeit in Ausnahmefällen doch stattfindet, betrifft sie vor allem vermittelnde 
Tätigkeit im Bereich gewerblicher Immobilien, nicht aber Wohnraum. 
3. Interessenkonflikte auf Grund von Nahever­
hältnissen 
Geht es bei der Frage der Zulässigkeit der Doppeltätigkeit um das ,Ausbalancieren" 
der unterschiedlichen Interessen zweier Auftraggeber des Maklers, so steift sich die 
Frage der Zulässigkeit von Tätigkeiten für Personen, die dem Makler wirtschaftllch 
oder persönlich nahestehen, vor allem unter dem Blickwinkel der möglichen 
Interessenkollision zwischen Makler und (anderem) Auftraggeber. 
3.1. Interessenkonflikte auf Grund von Naheverhältnissen 
im österreichischen Recht 
Wenngleich dies im Vorfeld des Gesetzgebungsprozesses umfassend diskutiert 
wurde, hat sich der österreichische Gesetzgeber nicht zu einer klaren Abgrenzung 
der Zulässigkeit einer Maklertätigkeit im Falle persönlicher oder wirtschaftlicher 
Naheverhältnisse durchringen können. Wie auch bei der Doppeltätigkeit wird im 
wesentlichen versucht, die Problematik durch Verständigungspflichten zu entschär­
fen. 
Das Maklergesetz hält in § 6 Abs 4 zunächst einmal nur fest, daß kein Provisions­
anspruch besteht, wenn der Makler selbst Vertragspartner des Geschäfts wird, oder 
wenn das mit dem Dritten geschlossene Geschäft wirtschaftlich einem Abschluß 
durch den Makler selbst gleichkommt. Hier wird in den Erläuterungen nur auf den 
Fall hingewiesen, bei dem ein Makler einen Kaufvertrag mit seiner Ehegattin 
betreffend ein Haus vermittelt. in dem beide Ehegatten zu wohnen gedenken. 
Der weitaus praxisrelevantere Fall der wirtschaftlichen Verflechtung oder sonstigen 
Nahebeziehung hingegen wird im § 6 Abs 4 MaklerG lediglich zum Anlaß für eine 
Hinweispflicht genommen. Der Makler hat den Auftraggeber unverzüglich auf ein 
familiäres oder wirtschaftliches Naheverhältnis mit dem vermittelten Dritten, das die 
Wahrung der Interessen des Auftraggebers beeinträchtigen könnte, hinzuweisen. 
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