Full text: Immobilienmakler

1. Einleitung - Problemstellung
Vor rund 250 Jahren hat Carlo Goldoni mit dem Titel einer Komödie einen Begriff 
geprägt, der seither zum geflügelten Wort geworden ist: .Der Diener zweier Herren" 
steht als Synonym für jemanden, der von zwei Auftraggebern einander wider­
streitende Aufträge erhält und der dem daraus resultierenden Loyalitätskonflikt (der 
den Auftraggebern nicht offengelegt wird) mit einer Strategie des .muddling through" 
begegnet - in der kaum begründeten Hoffnung, daß sich die Probleme schon 
irgendwie von selbst auflösen würden. 
Was bei Goldoni komödiantisch abgehandelt und letztlich doch zu einem guten 
Ende geführt wird - freilich nicht ohne daß der Diener zuvor von beiden Auftrag­
gebern Prügel einstecken muß -, das ist in der wirtschaftlichen Realität oft Anlaß für 
höchst ernstzunehmende µnd nicht selten auch gerichtlich ausgetragene Probleme. 
Denn die Tätigkeit für zwei Auftraggeber, deren Interessen in entscheidenden 
Punkten diametral auseinandergehen, ist in einigen Wirtschaftszweigen selbstver­
ständlicher Bestandteil des Tagesgeschäfts. Neben Anwälten oder Notaren, die als 
gemeinschaftlicher Vertragserrichter oder Treuhänder tätig werden, betrifft dies vor 
allem auch Immobilienmakler, für die im österreichischen Recht - entsprechend der 
langjährigen Verkehrsübung - die Zulässigkeit der Doppeltätigkeit mit dem Makler­
gesetz 1996 ausdrücklich gesetzlich akzeptiert wurde. 
Damit hat sich der österreichische Gesetzgeber, entgegen einigen im Vorfeld des 
Gesetzgebungsprozesses vorgebrachten Bedenken', nicht zum Verbot der Doppel­
maklerei entschlossen, sondern setzt darauf, daß die sich aus der Doppeltätigkeit 
ergebenden Probleme vor allem durch eine gleichmäßige lnteressewahrungspflicht 
und durch eine Reihe von Informationspflichten des Maklers bewältigt werden 
können. Wie man mit der Doppeltätigkeit umgehen kann und soll, und wie sich 
Recht und Praxis in anderen europäischen Ländern darstellen, soll in dieser Studie 
aufgearbeitet werden. 
Zweiter Schwerpunkt der Arbeit ist die Darstellung der Provisionen, die bei Beteili­
gung eines Immobilienmaklers von Konsumenten im Fall der Vermittlung einer 
Mietwohnung oder einer Eigentumswohnung bzw eines Einfamilienhauses zu 
bezahlen sind. Während in Österreich mittels Verordnung Höchstgrenzen für 
derartige Provisionen festgelegt wurden, unterliegen Provisionsvereinbarungen in 
zahlreichen anderen europäischen Ländern keinen speziellen Beschränkungen; 
dennoch zeigt sich, daß die Kosten der Wohnungsvermittlung für den Verbraucher 
in Österreich im Schnitt ganz wesentlich Ober den Kosten in anderen europäischen 
1 zB Böhm, Grundsatzprobleme uncl Leitgedanken einer Reform des lmmobilienmaklerpri11atrechts, in: 
Mayer (Hrsg), Konsumentenpolitisches Jahrbuch 1990-1991, 191; Köppl/Rosifka/ Zumrawi, 
Kostspielige Wohnungsvermittlung (Reihe ,Stadtpunkte• der AK Wien, 1994) 
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