Full text: Immobilienmakler

Ländern liegen. Schließlich wurde auch noch erhoben, inwieweit in den einzelnen 
Staaten besondere, auf die Branche der Wohnungsvermittlung speziell zugeschnit­
tene Kundenschutzbestimmungen bestehen und welche Bedeutung die "Massenbe­
sichtigungen· von angebotenen Wohnungen haben, wie sie in Österreich Anlaß zur 
Einführung eines besonderen Rücktrittsrechts für Immobiliengeschäfte Im Jahr 1996 
(§ 30a KSchG) gegeben haben.
1.1. Ausgangspunkt: Wohnungssuche 
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Situation von Verbrauchern als Wohnungs­
suchenden; alle unternehmerischen oder sonstigen nicht privaten Nachfrager 
bleiben daher ausgeklammert. Auf die Situation von Verbrauchern, die auf Abgeber­
seite (Vermieter oder Verkäufer) Vertragspartner von Immobilienmaklern werden, 
wird dort näher eingegangen, wo vergleichbare Schutzbedürfnisse wie im Fall der 
Wohnungssuche bestehen; primärer Blickwinkel bleibt jedoch der des Wohnungs-
suchenden 
Es bedarf keiner besonderen Betonung, daß der Wohnungsmarkt mit typischen 
Marktsituationen etwa bei Konsumgütern oder im Dienstleistungsbereich nur sehr 
beschränkt verglichen werden kann. Ohne dies hier näher zu vertiefen, sei im 
Hinblick auf den Zweck dieser Arbeit nur auf folgende Aspekte hingewiesen 
• Entscheic;!ungen über Wohnungskauf oder -miete sind von enormer finanzieller
Tragweite fOr Verbraucher: der Erwerb einer Wohnung oder eines Eigenheims ist
in der Regel die größte Investition, die von einem privaten Haushalt getätigt wird;
auch bei der Anmietung machen die laufenden Miet- und Betriebskosten meist
die größte Ausgabengruppe des Haushaltsbudgets aus;
• Die Entscheidungen können in zeitlicher Nähe zur Entscheidungsfindung in der
Regel nur mit beträchtlichen Verlusten revidiert werden; Aufwendungen für
Vertragserrichtung und -vergebührung, Grundbuchskosten, Aufwendungen für
die Finanzierung (Kreditbearbeitungsgebühr, Eintragungsgebühr für Hypothekar­
dartehen etc), Sanierungs- und Adaptierungskosten sowie natürlich auch
Maklerprovisionen sind in ökonomischer Terminologie „sunk costs', die für den
Verbraucher verloren sind, wenn sich die gewählte Wohnung als ungeeignet
herausstellt,
• Zwischen den Wohnungssuchenden auf der einen Seite und den Vermietern,
Verwaltern und Maklern auf der anderen Seite besteht typischerweise ein
strukturelles Ungleichgewicht, das gegenüber anderen Verbraucher-Unter­
nehmer-Verhältnissen (die der Gesetzgeber als typisierte Ungleichgewichts­
situationen im Konsumentenschutzgesetz erfaßt hat) noch deutlich stärker
ausgeprägt ist, zumal Wohnungssuchende nur sehr wenige und zeitlich weit
auseinanderliegende Erfahrungen mit dem Erwerb bzw der Anmietung von
Wohnungen haben;
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