Full text: Der Betriebsrat - 1921-22 Heft 19 (19)

"04 DER BETRIEBSRAT
werkschaftswesens abgehandelt, hier ergreifen Theoretiker
und Praktiker der Bewegung das Wort, um dem Kreis der
unmittelbaren Interessenten zu sagen, wie sie eine be¬
stimmte Angelegenheit beurteilen, und hier wird auch die
Einstellung der leitenden Gewerkschaftsinstanzen zu diesen
Angelegenheiten kundgemacht. Der Leser findet in den Zeit¬
schriften Gegenstände seines Interesses behandelt, über die
ts eine Buchliteratur noch nicht gibt.
Das führende Organ der österreichischen Gewerk¬
schaftsbewegung ist „Die Gewerkschaft", Organ der
Gewerkschaftskommission östereichs, Wien I, Ebendorfer-
straße 7. Die reichsdeutsche Bewegung verfügt im
„Ko rrespondenzblatt" des Allgemeinen Deutschen
Gewerkschaftsbundes, Berlin SO, Engelufer 15, über ein
vorzügliches Wochenblatt. Sein Inhalt ist so gestaltet, daß
es den gewerkschaftlichen Vertrauensmann restlos über
alle Angelegenheiten seines Arbeitsgebietes gründlich in¬
formiert. Trotz des Zuschnittes auf die reichsdeutschen
^Verhältnisse wird auch jeder österreichische Vertrauens¬
mann reichen Gewinn aus seiner Lektüre ziehen. Wie die
österreichische Bewegung den „Betriebsrat" herausgibt, so
verfügt die reichsdeutsche über eine „Betriebsrätezeitung"
lies Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Bedeutungsvoll sind auch für jeden Gewerkschafter
die beiden von Viktor Stein redigierten gewerkschaft¬
lichen Fachblätter „Der österreichische Metall¬
arbeite r", Organ des österreichischen Metallarbeiter¬
verbandes (Wien V, Kohlgasse 7), der größten und wich¬
tigsten Arbeiterorganisation, und „Der Industrie¬
angestellt e", das Blatt des Bundes der Industrie¬
angestellten (Wien V, Siebwibrunnengasse 29), der größten
und wichtigsten Angestelltenorganisation Österreichs, und
die ebenfalls von Viktor Stein redigierte Monatsschrift für
gewerkschaftliche, wirtschaftliche und sozialpolitische
Fragen „Aus Werkstatt und Wirtschaft", heraus¬
gegeben vom österreichischen Metallarbeiterverband.
Die Sozialpolitik behandeln „Der Arbeiter-
5 c Ii u t z". Zeitschrift für soziale Gesetzgebung, Organ der
tfeichskommission der Krankenkassen Österreichs, Wien VI,
Königseggasse 10, und die „Amtlichen Nach¬
richten" des Butidesministeriums für soziale Verwaltung
(Verlag Franz Deuticke, Wien I, Helferstorferstraße 4), die
auch fortlaufend den Text aller neuen sozialpolitischen Ge¬
setze und Verordnungen abdrucken.
V. Die A n g e s t e 111 e n b e w e g u n g.
An der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung nehmen
die Privatangestellten in steigendem Maße Anteil. Zur
Kenntnis ihrer in manchen Dingen verwaltenden Beson¬
derheiten seien die hauptsächlichen Schriften angeführt, die
sich mit ihnen befassen.
Ein umfassendes, wissenschaftlich angelegtes Werk
hat der Heidelberger Nationalökonom Emil Lederer
veröffentlitht, „Die Privatangestellten in der
modernen Wirtschaftsentwicklung" (Verlag
I. C. Mohr, Tübingen 1912). Wenn auch Lederer die Grund¬
tatsache seines Werkes der reichsdeutschen Angestellten¬
bewegung entnommen hat, die immer ein wesentlich an¬
deres Bild zeigten als die österreichischen, und Vorkriegs¬
verhältnisse behandelt, die sich unter der Einwirkung des
Krieges und der Revolution völlig verändert haben, ist
seine Darstellung dennoch außerordentlich aufschlußreich
über das Wesen und die Besonderheiten der Angesleliten-
bewegung. Neueren Datums ist eine Broschüre des gleichen
Verfassers „Die Entwicklungstendenzen in den Organisa¬
tionen der Angestellten" (Karl Winter, Heideiberg 1914).
Richard Woldt hat den Angestellten der Industrie eine
ausgezeichnete Darstellung „Das großindustrielle
Beamtentum" (I. H. W. Dietz, Stuttgart 1911) ge¬
widmet. wohl die beste Arbeit über die gewerkschaftlich
und produktionstechnisch wichtigste Berufsgruppe der An¬
gestauten. Von S. Aufhäuser, dem Vorsitzenden des
„Afa'-Bundes, der Zentrale der freigewerkschaftlichen An«
gestelltenorganisationen in Deutschland, ist zunächst ein
schmales Büchlein über „Weltkrieg und Ange¬
stellt e n b e w e g u n g" (Verlag für Sozialwissenschaft,
Berlin 1918) zu nennen, das dort anschließt, wo Lederer
seine Darstellung beendet, und eine kurze, aber un¬
gemein inhaltsreiche Broschüre „Die freie Ange¬
stellten- und Arbeiterbewegung", (lu'dustrie-
beamienverlag, Berlin NW 52), trotz ihrer gedrängten Kürze
die aufschlußreichste und beste Darstellung der gegen¬
wärtigen Situation der Angesteütenbewegung. Im Verlag
der Wiener Volksbuchhandlung (Wien 1919) ist eine Bro¬
schüre „Die P r i v a t a n g-e s t e 111 e n" erschienen.
Schließlich- sei noch für die besonderen österreichischen
Verhältnisse auf einige Artikel in Zeitschriften aufmerksam
gemacht, im „Kamp f", der wissenschaftlichen Monats«
schritt der österreichischen Sozialdemokratie, sind er¬
schienen: Privatangestellte und Klassenkampf (VI. Jahr«
gang, Nr. 10, Juli 1913), Sozialdemokratie und Privatange¬
stellte (VII. Jahrgang, Nr. 5, Februar 1914), Der Untergang
des neuen Mittelstandes (XI. Jahrgang, Nr. 45, April und'
Mai 1918). In der „Gewerkschaft": Organisations«
Probleme der Privatangestellten (XVI. Jahrgang, Nr. 15, 16»
April 1914), und Die Angestellten in der Arbeiterkammer
(XXIII. Jahrgang, Nr. 5, Februar 1921). Auch hier sei au!
eine Zeitschrift aufmerksam gemacht, die „Deutsche
Techniker-Zeitung", Bundeszeitschrift der techni«
sehen Angestellten und Beamten, Berlin NW 52. Werft«
Straße 7. die mit einer Reihe von Fachgruppenbeilagen er¬
scheint und einen tiefen Einblick in die aktuellen Probleme
der Angestelltenbewegung eröffnet.
VI. Bibliographie.
Die vorstehende Aufstellung ist natürlich von Voll¬
ständigkeit weit entfernt. Die erschienene Literatur hat
Sassenbach In seinem „Verzeichnis der in
deutscher Sprache vorhandenen gewerk¬
schaftlichen Literatur" (Berlin 1910, Nachtras
1912) zusammengestellt. Neuerscheinungen werden in der
Literaturbeilage des „K o r r e s p o n d e n z b 1 a 11 e s" des
Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes fortlaufend
verzeichnet. Auch der „Betriebsrat" bemüht sich, seinen
Lesern alle Neuerscheinungen mitzuteilen. Hinweise auf
Literatur findet der Leser, der tiefer in die Literatur ein¬
dringen will, auch in den großen volkswirtschaftlichen
Nachschlagewerken, im achtbändigen „Handwörter¬
buch der Staatswissenschaften" und in»
„W örterbuch der Volkswirtsc ha die beide
unter den betreffenden Schlagwörtern ausgezeichnete Dar¬
stellungen der Gewerkschaftsbewegung enthalten. Das
„Handwörterbuch" erscheint soeben in neuer Auflage.
Ernst Lakenbacher.
Der Vertrauensmann
Tausendc und aber Tausende sind in den letzten
Jahren neu zur Arbeiterbewegung gestoßen und haben bald
schwere Aufgaben übernommen. Als Vertrauensmänner der
politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, als
Betriebsräte und als Arbeiterräte wirken heute zahllose
Männer und Frauen. Allen, die Rat brauchen, werden die
allgemeinen Winke willkommen sein, die Genosse Robert
Danneberg auf Grund seiner langjährigen Erfahrung in einer
eben erschienenen Schrift „Der Vertrauensmann" gibt. Was
der Obmann, der Kassier, der Kontrollor, der Ordner, der
Kolporteur, der Bibliothekar und der Schriftführer zu tun
haben, wird an der Hand zahlreicher Beispiele gezeigt.
Der Abschluß der Schrift, die ein Praktiker für Praktiker
verfaßt hat, bildet eine Abhandlung, die Ratschläge für
Redner enthält. Dies macht die Schrift auch für erfahrene
Genossen wertvoll. Jeder, der die Sorfcen und Mühen der
Organisation auf sich genommen hat, wird die Schrift gerne
lesen. Jedem neugewählten Funktionär sollte sie in die Hand
gegeben werden.
Eingelaufene ßücfcsr
Bergarbeiterkalender 1922. (Herausgegeben von der Union
der Bergarbeiter Turn-Teplitz, achter Jahrgang, Preis:
7 [tschechoslowakische] Kronen.)
Karl Renner: Verfassung und politische Parteien in
Österreich. (Zentralstelle für Bildungswesen, Wien 1921,
12 Seiten.)
Richard Woldt: Wirtschaftliche Schulungsarbeit und ge¬
werkschaftliches Fiihrertum. (Verlag Quelle und Mayer,
Leipzig 1921, 100 Seiten, Preis 8 Mk.)
Report of the twentv-first Anntial Conference of the Labour
Party Brighton 1921. (33, Euleston Square, London.
S. W. 1. Preis samt Porto 1 Schilling 3 Pence.)
Adolf Weber: Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit.
(3. bis 4. Auflage, J. C. B. Mohr, Tübingen 1921, 60 Mk.)
Die Volkswirtschaft der Nationalstaaten. (Überreicht von
der Allgemeinen Depositenbank anläßlich ihres fünfzig¬
jährigen Bestandes, Wien 1921, 80 Seiten.)
Sämtliche, der vorstehend genannten
Bücher sind zu beziehen durch die Volks¬
buchhandlung, Wien VI, Gumpendorfer«
Straße 18
Druck: ..Vorwärts", Wien V.
        

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