Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

Gesamtarbeitslosen. Somit sind Produktionsberufe - die hauptsächlich in der
Sachgüterproduktion ausgeübt werden - wiederum in überproportionalem Ausmaß
von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
Auch eine weitergehende Untergliederung nach Berufsgruppen erbringt wenig neue
Ergebnisse. Die meisten Langzeitarbeitslosen sind in der Gruppe der
Facharbeiter/innenberufe zu finden. Männer sind hier deutlich überrepräsentiert.
Danach folgen die Qualifizierten Berufe und die Fachkräfteberufe mit einem
weitgehend ausgeglichenem Geschlechterverhältnis bei den Langzeitarbeitslosen.
Die geringste Zahl an Langzeitarbeitslosen findet sich in den beiden Randkategorien
der Wiener Berufslandschaft: den Hilfs- und Anlernberufen einerseits und den
Hochqualifizierten Berufen andererseits. In beiden Fällen sind Frauen in etwas
geringerem Maße von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.
In den für Wien beschäftigungsrelevantesten Berufe fallen im Produktionsbereich
insbesondere die Metallherstellungs- und Metallverarbeitungsberufe, die grafischen
Berufe sowie alle Hilfsberufe mit einem überdurchschnittlich hohen
Langzeitarbeitslosenanteil auf. Im Dienstleistungsbereich stehen diesbezüglich vor
allem Büro-, Handels- sowie Nachrichten- und Verkehrsberufe im Vordergrund.
Wird abschließend die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen nach Vormerkdauer
betrachtet, so bestätigen sich im wesentlichen noch einmal die Ergebnisse der
sektoralen Analyse. Die gravierendsten Anteilsverschiebungen fanden innerhalb der
Facharbeiter/innenberufe statt. Das Gewicht der Langzeitarbeitslosigkeit hat sich hier
im Verlauf der letzten zehn Jahre dramatisch erhöht. Lag der
Langzeitarbeitslosenanteil 1987 noch bei 29,2 Prozentpunkten, so wuchs er bis 1997
auf 43,7 Prozentpunkte an. Im Kontext der weiterhin rückläufigen
Beschäftigungsentwicklung in der Wiener Sachgüterproduktion kann davon
ausgegangen werden, daß sich diese Situation noch weiter verschlechtern wird.
Die deutlich ausfallende Bestandsveränderung der Langzeitarbeitslosen in
Qualifizierten Berufen kann als eher unerwartet bezeichnet werden. Hier erhöhte sich
das Gewicht der Langzeitarbeitslosigkeit im Untersuchungszeitraum um 8,8
Prozentpunkte. Dafür dürfte vor allem die sich zunehmend verschlechternde
Situation in Büroberufen ausschlaggebend gewesenen sein. Die Zahl der
Langzeitarbeitslosen, die vormals in Büroberufen tätig waren, hat sich seit 1987 um
über 75% erhöht. In den verbleibenden drei Berufsgruppen waren nur geringe
Anteilsverschiebungen festzustellen.
8.5 Zusammenfassung
Der Wiener Arbeitsmarkt entwickelt sich seit mehr als einem Jahrzehnt deutlich
schlechter als der des Gesamtbundesgebiets. Insbesondere für Problemgruppen des
Arbeitsmarktes (ältere, unqualifizierte und Langzeitarbeitslose) stellt sich die
Situation besonders ungünstig dar. Weniger besorgniserregend ist dagegen die
Entwicklung der Arbeitsmarktindikatoren von Jugendlichen und Frauen. Damit soll
allerdings keineswegs argumentiert werden, daß diesbezüglich kein
arbeitsmarktpolitischer Handlungsbedarf mehr bestünde. Nach wie vor existierenden
Diskriminierungstendenzen am Arbeitsmarkt sollte verstärkt entgegengewirkt
werden. Ebenso sollte Jugendarbeitslosigkeit so früh wie möglich bekämpft werden.
Unqualifizierte Personen haben ein überproportional hohes Risiko, arbeitslos zu
werden, und besonders hohe Barrieren zu überwinden, um nach einer
Erwerbsunterbrechung wieder eine Stelle finden zu können. Ähnlichen Problemen
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