Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

Befristete Arbeitsverhältnisse sind im Dienstleistungssektor weniger weit verbreitet
als in der Land- und Forstwirtschaft und im Bauwesen. 1998 kamen in der EU auf
100 unbefristete Arbeitsverhältnisse 15 befristete. In Österreich fand diese Form pre¬
kärer Arbeitsverhältnisse bislang relativ wenig Verbreitung (Relation 0,08).
Anteil der selbständig Erwerbstätigen: Die österreichische Selbständigenquote im
Dienstleistungssektor zählt zu den niedrigsten im OECD-Bereich. 1998 kamen in der
EU ebendort auf 100 unselbständig Beschäftigte 17 Selbständige, in Österreich wa¬
ren es 10.
Größenstruktur der Unternehmungen: Der Anteil der kleinen Unternehmungen (bis zu
10 Beschäftigten) ist laut OECD (2000) im Dienstleistungssektor erheblich größer als
in der Sachgüterproduktion. 1998 entfielen in ersterem auf 100 mittlere und größere
Unternehmungen (mehr als 10 Beschäftigte) in Österreich 61 kleine, in der EU 54.
7. Dienstleistungen in der Stadtwirtschaft
Die Dienstleistungsbeschäftigung hat sich seit jeher auf die Stadtregionen konzen¬
triert. Ende der neunziger Jahre befanden sich rund drei von zehn der österreichi¬
schen Dienstleistungsarbeitsplätze innerhalb der Wiener Stadtgrenzen.
Standortfaktoren: Was die Standortpräferenzen der Dienstleistungsunternehmungen
betrifft, so kann in Anlehnung an Bhagwati zwischen .gebundenen' und .ungebunde¬
nen' Dienstleistungen unterschieden werden.13 Während erstere die gleichzeitige
physische Anwesenheit von Produzent und Konsument erfordern (z.B. Krankenpfle¬
ge, Friseur), können letztere gespeichert und daher - auch international - gehandelt
werden (z.B. Nachrichtenwesen, Finanzdienstleistungen).
Für gebundene Dienstleistungen ist aufgrund der Notwendigkeit des unmittelbaren
persönlichen Kontakts die Nähe zu den Kunden das entscheidende Kriterium für die
Standortwahl. Jeder Produzent findet daher eine von den absoluten und relativen
Zugangskosten der Konsumenten abhängige obere Grenze der Reichweite vor, eine
räumliche Beschränkung seines Marktgebiets. Für häufig benötigte, einfache
Dienstleistungen sind die von den Verbrauchern in Kauf genommenen Zugangsko¬
sten gering, für andere, weniger frequentierte und teurere Dienstleistungen entspre¬
chend höher, da die Reisekosten in diesen Fällen relativ zum Wert der konsumierten
Leistung niedriger liegen. Die untere Grenze der Reichweite wird durch die jeweilige
Fixkostenbelastung festgelegt.
Wenig spezialisierte und häufig benötigte gebundene Dienstleistungen sind daher
tendenziell dispers im Raum verteilt, relative Verdichtungen folgen allein der Bevölke¬
rungsverteilung. Produzenten hochwertiger Dienste dieser Art hingegen sind nur in
höherrangigen Zentren vorzufinden und versorgen ein weiteres Marktgebiet.
Für ungebundene Dienstleistungen erweisen sich die Verfügbarkeit und die Zu¬
gangskosten zu den benötigten Inputs sowie externe Größenvorteile (Lokalisations-
und/oder Urbanisationseffekte)14 als bestimmend für die Standortwahl. Der für kom¬
plexe und spezialisierte Dienstleistungen dieses Typs erforderliche Zugang zu nicht
kodifiziertem Wissen setzt in vielen Fällen den unmittelbaren persönlichen Kontakt
voraus. Der bedeutendste Markt für Wirtschaftsdienste ist mittlerweile der Dienstlei¬
stungssektor selbst. Und Firmen der Sachgüterproduktion fragen hochwertige Wirt¬
schaftsdienste meist am Standort der jeweiligen Unternehmenszentrale nach.
Daraus resultiert für komplexe und nicht standardisierbare Dienstleistungen dieses
Typs eine erhebliche räumliche Konzentration. Nur größere Städte und deren Umfeld
bieten die relevanten Agglomerationsvorteile (Verfügbarkeit von hochqualifizierten
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