Full text: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

beratung, Unternehmens- und PR-Beratung sowie das Werbewesen sehr stark. Un¬
ter jenen Sparten, die sowohl gering- als auch hochqualifizierte Arbeitskräfte be¬
schäftigen, galt das gleiche für die Arbeitskräftevermittlung und -Überlassung,
Schreib- und Übersetzungsbüros sowie die Restkategorie .Sonstige Unternehmens¬
bezogene Dienste'. Und in der größten Sparte schließlich, dem Reinigungsgewerbe,
nahm der Beschäftigtenstand im genannten Dreijahreszeitraum um fast 700 zu. Der
ganz überwiegende Teil des Zuwachses in den Wirtschaftsdiensten entfiel somit auf
Sparten mit hohen Qualifikationsanforderungen.
Bereiche mit deutlich überdurchschnittlicher Wachstumsrate der Beschäftigung wa¬
ren in Wien zudem die Wirtschaftsklasse Kultur, Sport und Unterhaltung, das Unter¬
richts-, das Gesundheits- und Sozialwesen20 sowie die Vereine.
Bereits Anfang der siebziger Jahre war die Wiener Stadtwirtschaft stark auf Dienst¬
leistungsaktivitäten ausgerichtet: 1973 entfielen 59% der unselbständigen Beschäfti¬
gung auf den tertiären Sektor. Die unterschiedliche Entwicklungsrichtung von Sach-
güterproduktion und Dienstleistungen in bezug auf die Beschäftigung sorgte in den
folgenden drei Jahrzehnten dafür, daß die Dienstleistungsquote um nicht weniger als
20 Prozentpunkte auf 79% (1999) anstieg.
9. Verlagerungen von Dienstleistungsarbeitsplätzen aus der Stadt Wien
in die Umlandbezirke?
Bei der Beurteilung des längerfristig nur geringfügig ansteigenden Trends der un¬
selbständigen Beschäftigung in Wien ist freilich zu berücksichtigen, daß die nach
Kriterien der Raumtypisierung abgegrenzte Agglomeration Wien beträchtlich über die
Grenzen des Bundeslandes Wien hinausgeht.
Der Frage, inwieweit die nur geringe Beschäftigungszunahme in der Stadt Wien auf
Verlagerungen von Produktionsstandorten nicht nur der Sachgüterherstellung, son¬
dern auch des tertiären Sektors innerhalb des Agglomerationsgebiets, nämlich aus
der Stadt in die niederösterreichischen Umlandbezirke, resultiert, geht Mayerhofer
(2000b) nach. Er weist darauf hin, daß die Zahl der unselbständig Beschäftigten in
Dienstleistungsbranchen in den am stärksten tertiärisierten Umlandbezirken Wien-
Umgebung und Mödling, die noch zum Agglomerationskern zu zählen sind, sowie in
den Bezirken Korneuburg und Tulln, wo der Dienstleistungsanteil an der Beschäfti¬
gung 1997 jeweils zwischen 55 und 65% lag, von 1980 bis 1993 wesentlich rascher
zunahm (Wachstumsraten zwischen 3,2 und 4,6% p.a.) als im Wiener Stadtgebiet
(1,2% p.a.).21
Seine Schätzung eines ökonometrischen Distanzmodells für die Agglomeration Wien
im Zeitraum 1981-91 führt zu dem Ergebnis, daß erstens innenstadtnahe Bereiche
vor dem Hintergrund insgesamt höheren Wachstums und der Bedeutung von Agglo¬
merationsvorteilen für komplexe Wirtschaftsdienste eine wieder größere Beschäfti¬
gungsdynamik bei Dienstleistungen erlangten und zweitens tertiäre Arbeitsplätze
gleichzeitig auch verstärkt in die bis zum Beginn dieses Zeitraums praktisch bedeu¬
tungslosen Standorte in der Außenzone der Agglomeration diffundierten.
Auch rezentere Daten22 bieten gewisse Anhaltspunkte für die These von der Verlage¬
rung von Dienstleistungsarbeitplätzen innerhalb des Agglomerationsgebiets. Zwi¬
schen Jänner 1990 und Jänner 2000 stieg die unselbständige Gesamtbeschäfti¬
gung23 innerhalb der Agglomeration Wien prozentuell am weitaus stärksten in den
relativ hochgradig tertiärisierten Umlandbezirken Wien-Umgebung (28,3%), Mödling
(8,5%), Korneuburg (11,0%) und Tulln (16,3%). Im selben Zeitraum erhöhte sich die
Beschäftigtenzahl in Wien um insgesamt 2,0%. Ungünstiger als in der Bundeshaupt-
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