Volltext: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit im tertiären Sektor Wiens in den achtziger und neunziger Jahren (77)

8. Arbeitslosigkeit in Wien
Wie im einleitenden Überblick (Abschnitt 2) der vorliegenden Studie kurz dargestellt,
kann die Situation des Wiener Arbeitsmarktes als durchaus problematisch
bezeichnet werden. Seit beinahe zwei Jahrzehnten erhöht sich nunmehr die Zahl der
als arbeitslos gemeldeten Personen, die Arbeitslosenquote war bis 1998
kontinuierlich im Steigen begriffen. Obwohl mittlerweile Bedeutung und Tragweite der
Arbeitslosenproblematik weitgehend auch von der Politik wahrgenommen werden
und durch unterschiedliche arbeits- und beschäftigungspolitische Maßnahmen
versucht wird, der hohen Arbeitslosigkeit gegenzusteuern, ist Wien stärker denn je
mit Ungleichgewichten am Arbeitsmarkt konfrontiert.
Die Ursachen für ungleichgewichtete Arbeitsmärkte können freilich
unterschiedlichster Natur sein. Viele verschiedene Faktoren beeinflussen das
Ausmaß der Arbeitslosenquote. Um die Komplexität des Problembereichs nur kurz
darzustellen, sei an dieser Stelle auf Pichelmann (1998) verwiesen, der
"Veränderungen in der Arbeitslosenquote als das Endergebnis der dynamischen
Interaktion der Ströme in/aus Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Nichtpartizipation
am Arbeitsmarkt" sieht. "Rein mechanisch betrachtet wirken das Ausmaß der
zyklischen Schwankungen der Produktion, die Reaktion der
Beschäftigungsnachfrage auf Outputschwankungen und die zyklische Variabilität des
Arbeitsangebots zusammen. Schließlich dämpft auch die konjunkturelle Reagibilität
der Reallöhne die Schwankungen von Produktion und Beschäftigung."36
Damit ist recht anschaulich dargelegt, daß der hier zu behandelnde Themenbereich
selbst unter rein ökonomischem Gesichtspunkt vielschichtiger Natur ist und sich nur
schwer auf einige wenige Dimensionen reduzieren läßt. In der vorliegenden
Untersuchung kann und soll aber aus nachvollziehbaren Gründen keine umfassende
Arbeitsmarktanalyse durchgeführt werden. Vielmehr soll der Schwerpunkt auf
strukturelle Merkmale der Arbeitslosigkeit gelegt werden. Die vom
Arbeitsmarktservice zur Verfügung gestellten Arbeitsmarktdaten erlauben, in
weitgehender Übereinstimmung mit den in den vorhergehenden Abschnitten
untersuchten Ausprägungen, eine Unterscheidung der in Wien als arbeitslos
gemeldeten Personen nach Geschlecht, Wirtschaftsklasse, Beruf, Alter, Bildung,
Staatsbürgerschaft sowie zusätzlich nach der Vormerkdauer. Darüber hinaus kann
auf die Zahl der als offen gemeldeten Stellen zurückgegriffen werden, die wiederum
anhand der wichtigsten der zuvor genannten Ausprägungen (insbesondere der
Wirtschaftsklassen) der Zahl der Arbeitslosen gegenübergestellt werden kann. Es
stehen insgesamt vier Zeitpunkte zur Verfügung (1987, 1992, 1996 und 1997),
anhand derer die Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre skizziert werden soll.
Schlußendlich verbleibt noch der technische Hinweis darauf, daß alle im weiteren
angeführten Arbeitslosenquoten sich auf die Zahl der beim Hauptverband der
Sozialversicherungsträger gemeldeten unselbständigen Beschäftigten beziehen.
8.1 Sektorale Analyse
Während sich die durchschnittliche Arbeitslosenquote von 1987 auf 1997 um 3,1
Prozentpunkte erhöhte, stieg sie in der Sachgüterproduktion um 6,7 und im
Bauwesen um 4,6 Prozentpunkte. Der Dienstleistungsbereich verzeichnete mit 2,8
Prozentpunkten den niedrigsten Zuwachs. Dieser unterschiedliche
36 Pichelmann (1998).
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