Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie_________________________________________________________________________________________ 
1.2. Auswirkungen auf die ArbeitnehmerInnen im Sektor Postdienste in 
Deutschland 
1.2.1. Beschäftigungsentwicklung 
Nach Auskunft von ver.di kann (sozialverträglicher) Arbeitsplatzabbau mit erheblicher 
Intensivierung der Arbeit als Schwerpunkt der Umgestaltung bei der Deutschen Post 
betrachtet werden. Die Gewerkschaft betrachtet dies als gewissermaßen notwendige 
Auswirkung der Privatisierung mit Ausrichtung auf den Shareholder value, bei der es 
v.a. um die Frage der Kostensenkung geht. Eine Gewinnsteigerung im Briefmarkt, der 
kein Wachstumsmarkt ist, sei nur über Produktivitätsgewinne erreichbar. Da die 
Personalkosten jedoch 60-70% ausmachen, sind Steigerungen nur durch Personalreduk-
tionen erreichbar. 
Die Beschäftigungssituation im Postsektor hat sich daher erheblich verändert. Die heute 
privatwirtschaftlich organisierte Deutsche Post AG beschäftigt in der BRD nur noch 
etwa 220.000 Personen, also 150-160.000 Personen weniger als 1990. Das entspricht in 
etwa einem Personalabbau von 42%. Deutschland gehört damit laut ILO zusammen mit 
Schweden, Italien, Dänemark und Finnland (ILO 1998) zu den Ländern mit dem 
stärksten Personalabbau im Postsektor. Nach Angaben der ILO erfolgte zwischen 1990 
und 1995 (-70.000) und 1995 und 1999 (-67.000) der Personalabbau bei der Deutschen 
Post relativ gleichmäßig (ILO 2002). 
Tabelle 1-1 über die Beschäftigungsentwicklung bei der Deutschen Post seit 1997 zeigt 
die Personalentwicklung des nunmehr international agierenden Konzerns Deutsche Post 
AG. Es wird deutlich, dass das Unternehmen zwar am Standort Deutschland weiterhin 
Personal abbaut, seit 1998 durch weltweite Akquisitionen jedoch wieder wächst. In den 
Geschäftsberichten wird daher die Sanierungsphase, in der zwischen 1990 und 1997 der 
Turnaround gelingen sollte, seit 1998 als abgeschlossen dargestellt. Dem folgt seit 1998 
eine auf Internationalisierung ausgerichtete Expansionsstrategie. 
Während 1997 von 270.817 Beschäftigten bei der Deutschen Post 106.821 Beamten-
status hatten (39,4%), ist diese Zahl bis 2002  auf 73.157 (33,4%) gesunken. 1997 hatte 
die Post 23.673 Angestellte beschäftigt, im Zuge der massiven Expansionsstrategie stieg 
der Anteil der Angestellten im Konzern auf 147.393. 
In Deutschland sind nach Auskunft von ver.di ca. 60% der Postbeschäftigten Arbei-
terInnen, etwa 10% Angestellte und etwa 30% Beamte. 70 bis 75% der Beschäftigten 
arbeiten in der Zustellung (ILO 1998), der Rest betreut die eher finanziellen und 
handelsähnlichen Dienstleistungen (Schalterdienst) im Postbereich. 
Weiters ist hervorzuheben, dass sich die Zahl der älteren Beschäftigten durch den Per-
sonalabbau reduziert hat und sich die Belegschaft durchschnittlich verjüngt. Bei den 
über 50jährigen liegt der Anteil laut ver.di nunmehr unter 15%. Diese Verjüngung hat 
mit einer Welle von Frühpensionierungen zu tun, die sich aus den wachsenden Belas-
tungen ergaben und die Zahl älterer ArbeitnehmerInnen reduzierte und mit dem 
fortschreitenden Abbau der BeamtInnen, deren Anteil Anfang der 90er noch bei über 
 94
        

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