Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

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diese Aufgabe an Dritte. Mehr und mehr werde der Wettbewerb über solche Arbeits-
verhältnisse gemacht. 
Die Post selbst mache sich hierbei die Finger nicht schmutzig. Tochterunternehmen im 
Bereich der Prospektverteilung arbeiten in Arbeitsverhältnissen, in denen die Menschen 
Stücklohn erhalten (Transparent 2001) und daher nur ein geringes Einkommen 
erreichen können. Dies sei auch am Paketmarkt bereits zu sehen. Hier ist, so ver.di, auf 
die gesetzlich ermöglichten Einzelunternehmer zu verweisen, die ‚nicht wissen was sie 
tun‘ und nach wenigen Wochen den Job aufgeben müssen, da sie nicht mal den Sprit für 
die Auslieferungsfahrzeuge zahlen können. Die Gewerkschaft setzt daher in diesem Be-
reich Aktivitäten, um die Einzelunternehmer auch als Gewerkschaft ansprechen zu kön-
nen. Die Uhr sei hier aber nicht mehr zu festen Beschäftigungsverhältnissen zurückzu-
drehen. 
1.2.4. Die Situation bei Post Lizenznehmern 
Ver.di hebt hervor, dass das Feld der neuen Anbieter sehr unübersichtlich ist. Es gebe 
700-800 Lizenzen für Briefdienstleistungen. Lizenzen werden nur für Leistungen erteilt, 
die nicht der Exklusivlizenz unterliegen. Das Marktsegment sei sehr begrenzt, aber es 
gebe schon eine Vielzahl lokaler Anbieter und daher hätten sich noch keine großen 
Anbieter herausgebildet. Die holländische Post TPG und auch die britische Post 
versuchen Netze aufzubauen, um in den weiteren zu erwartenden 
Liberalisierungsschritten startklar zu sein. In Berlin gebe es die Pin AG mit 200-300 
Beschäftigten mit hoher Fluktuation und „abenteuerlichen“ Arbeitsbedingungen. Die 
Gewerkschaft will dort natürlich Mitglieder organisieren und Arbeitsbedingungen 
beeinflussen. Dies nicht zuletzt, so die Auskunft von ver.di, um der Arbeit einen 
vernünftigen Preis zu geben, da sich sonst auch bei der alten Post der 
Einkommensdruck erhöhen werde. Es sei aber offensichtlich, dass es einen 
Dumpingwettbewerb gebe und der Postsektor in wachsendem Maße Gefahr laufe, ein 
Niedriglohnbereich zu werden. 
1.2.5. Arbeitszeit und Entlohnung bei der Deutschen Post AG 
Zwar konnten in den vorliegenden Materialien keine detaillierten Analysen der Ent-
wicklung der Arbeitszeiten und der Entgeltsysteme gefunden werden, die ILO verweist 
aber auf die Zunahme von Teilzeitarbeit und verschiedene Formen variabler und 
flexibler Arbeitszeit (ILO 1998). Im Jahresbericht der Deutschen Post AG 1998 wurde 
die Flexibilisierung der Arbeitszeiten auch als expliziter Schwerpunkt für die Personal-
entwicklung angeführt, mit dem – neben dem weiter voranschreitenden Personalabbau - 
eine Verbesserung der Personalkostenstrukturen erreicht werden sollte. Ver.di verweist 
auf die Einführung eines Jahresarbeitszeitmodells, das als Arbeitszeitflexibilisierungs-
system angelegt sei. Es gehe um die Kontrolle der Arbeitkosten und des Arbeitseinsat-
zes durch Flexibilisierung. 
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