Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Deutschland 
Vorzug zu geben, sich zunehmend als Individualisierungsfalle für die betreuten 
MitarbeiterInnen entpuppt: Für die Individuen stellt sich die Situation als ein mit 
einem hohen Grad an Offenheit und Unsicherheit verbundener Prozess dar, die be-
rufliche Entwicklungsoptionen kaum erkennen lässt.“ (Hüning/Stodt 1999) 
3.3. Arbeitsbedingungen 
3.3.1. Reorientierung der Arbeit bei der DB AG – hin zu Dienstleistung und Service 
Mit der Umstrukturierung ging eine weitreichende Veränderung des betrieblichen 
Selbstverständnisses und damit der Anforderungen an die Beschäftigten einher. Dies 
ergibt sich aus der zentralen Bedeutung des Dienstleistungs- und Servicegedankens für 
eine am Markt konkurrierende DB AG, die sich auch in der relativen Stabilität der 
Beschäftigtenzahlen in diesen Geschäftsbereichen (v.a. Service und Station, 
Personenbahnhöfe) widerspiegelt. Es ist festzuhalten, dass sowohl bei der DR als auch 
der DB die kundennahen Bereiche den höchsten Frauenanteil an den Beschäftigten 
aufwiesen (Stodt 1998). Studien verweisen auf die geschlechtspezifische Besetzung 
dieses neu entstehenden Beschäftigungsfeldes (Schwarz 1998, Hüning et al. 2001), in 
dem vermehrt Frauen eingestellt werden, weil ihnen eine besondere Fähigkeit zu 
Dienstleistungsarbeit zugeschrieben wird. 
Basierend auf den Ergebnissen einer KundInnenbefragung hat die DB AG eine Reihe 
von Servicegrundsätzen formuliert, aus denen sich die Dienstleistungsqualität ergeben 
soll. Diese bestehen aus Verlässlichkeit (Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Kontinuität in 
der Leistungserstellung), Entgegenkommen (Schnelligkeit und Flexibilität in der 
individuellen Hilfe), Souveränität (ehrliche, höfliche und kompetente Bedienung), 
Einfühlungsvermögen (persönliche Aufmerksamkeit, Verständnis und ständige 
Erreichbarkeit), sowie dem materiellen Umfeld. 
„Die DB AG versucht, sich als modernes Dienstleistungsunternehmen in Europa zu 
etablieren. Damit geht die Ausdifferenzierung von Dienstleistungsarbeit innerhalb 
des Konzerns einher. (...) In den personenorientierten Dienstleistungstätigkeiten 
finden sich dann auch vermehrt Frauen. (...) Die hier geschaffenen Arbeitsplätze 
allerdings sind durch vermehrte Schichtarbeit, relativ niedrige Eingruppierung und 
geringe Qualifikationsanforderungen zu charakterisieren.“ (Stodt 1998:27) 
3.3.2. Chancengleichheit – Frauenförderung bei der DB AG 
Im Kontext der wachsenden Bedeutung der Dienstleistungsarbeit in der DB AG ist 
daher auch auf die unter dem Begriff „Chancengleichheit“ firmierende spezifische Form 
der Frauenförderung bei der DB AG zu verweisen. Auch die Gewerkschaft hebt die 
Einführung spezifischer Maßnahmen zur Frauenförderung als einen Erfolg in der 
Umwandlungsphase hervor (TRANSNET 1996). 
Auf die Entwicklung der Frauenbeschäftigung bei der DB AG wurde bereits weiter 
oben eingegangen, hervorgehoben wurde auch die Bedeutung der Service- und Dienst-
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