Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Großbritannien 
FALLSTUDIEN GROSSBRITANNIEN 
1. FALLSTUDIE: GROSSBRITANNIEN ELEKTRIZITÄT 
1.1. Hintergrundinformationen 
Ende der 70er Jahre waren nach Michael Pollitt, der seine Angaben auf die National 
Accounts45 stützt, in Großbritannien noch 8% der ArbeitnehmerInnen in öffentlichen 
Unternehmen, die damals 10% des nationalen Outputs produzierten, beschäftigt. Der 
eigentliche Beginn der Privatisierungen ist mit der zweiten Periode der Regierung 
Thatcher anzusetzen. Bereits 1992 (also vor der Privatisierung der Eisenbahnen) hatte 
sich die Zahl der in öffentlichen Unternehmen Beschäftigten auf 3% und deren Anteil 
am nationalen Output auf ebenfalls 3% reduziert (Pollitt 1999). Nach der Privatisierung 
der Eisenbahn waren 1998 z.B. noch das Post Office und London Underground in 
öffentlicher Hand. Nach Pollitt zielten die Privatisierungen in Großbritannien  v.a. auf 
die Einführung von Marktanreizen in den jeweiligen Sektoren, insbesondere durch 
Veränderung der Eigentümerstruktur und Kontrolle durch eigene Regulatoren. Obwohl 
die im Vergleich als zu niedrig angesehene Effizienz und Produktivität im öffentlichen 
Sektor Großbritanniens als Begründung für die Restrukturierung angegeben wurden, 
heben zahlreiche Kommentatoren (vgl. Pollitt 1999, Deakin/Freedland 2000) die 
Schwächung der Gewerkschaften und Stärkung des ‚Managerialismus’ und damit den 
unverhohlen ideologischen Charakter der Privatisierungs-/Liberalisierungsstrategien der 
konservativen Regierungen als eigentliche Ziele hervor. 
1.2. Privatisierung des Elektrizitätssektors in Großbritannien 
Grundsätzlich wurde die staatliche Elektrizitätswirtschaft im Zuge der Privatisierung in 
die Bereiche Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Versorgung aufgeteilt. Die 
Erzeugung wurde als Duopol geregelt, die Verteilung ging an 12 lokale RECs (Regional 
Electricity Companies), die aber auch Strom produzieren dürfen. Die Nuklearkraftwerke 
blieben in öffentlichem Besitz. Die Privatisierung erfolgte in den Jahren 1989 und 1990. 
Ursprünglich war keine Preisregulierung durch den Regulator vorgesehen. Aufgrund 
der oligopolistischen Struktur kam es aber zu Preisabsprachen, sodass schließlich die 
Festlegung von Maximalpreisen durch das sogenannte RPI-X System erfolgte (Pollitt 
1999). 
Dieses System bindet den Anstieg der Preise an die Inflationsrate minus eines Faktors 
X, der sich aus den zu erwartenden Produktivitätsgewinnen ergeben soll. Später wurde 
                                                 
45 National Accounts: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung - VGR 
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