Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie ________________________________________________________________________________________ 
auch den für den Elektrizitätssektor genannten wachsenden Arbeitslosenzahlen Mitte 
der 90er Jahre (trotz einsetzenden Wirtschaftswachstums) entspricht (Hall 1998). 
ILO und ECOTEC (letztere in einem Bericht an die Europäische Kommission) weisen 
etwas konservativere Schätzungen aus. Nicht nur wird hier der Personalabbau im 
europäischen Energiesektor zwischen 156.000 und 212.000 veranschlagt, auch der 
Personalabbau in Großbritannien wird in einer Bandbreite von 30-42% angegeben (ILO 
1999, ECOTEC 2001). 
Insbesondere die Beschäftigungszahlen des Duopols – National Power und Power Gen 
– sind zwischen 1990 und 1995/6 um 69,1% von 15.713 auf 4.850 (National Power) 
und 53,1% von 8.840 auf 4.148 (Power Gen) gefallen. Eine Studie des EIRO (European 
Industrial Relations Observatory, 1999) geht sogar davon aus, dass beide Unternehmen 
die Zahl ihrer Beschäftigten weiter auf je etwa 3.000 gesenkt haben. Die in der ILO 
Studie (ILO 1999) aufgelisteten RECs haben im selben Zeitraum – bis auf wenige 
Ausnahmen - ihre Beschäftigten um je etwa 30% abgebaut. 
Preetum und Pollit (2000) weisen für RECs zwischen 1988/9 und 1998 eine Reduktion 
der Beschäftigung von 83.000 auf 47.800 aus, in der selben Zeit ist nach ihren Angaben 
die Produktivität um 100% gestiegen. 
Eine detaillierte Analyse zum Beschäftigungsabbau nach Beschäftigtengruppen im 
Elektrizitätssektor ist mit den vorliegenden Daten nicht möglich. Grundsätzlich scheint 
aber – bei einem Beschäftigungsanteil der Frauen von etwa 20 – 30% im Sektor 
(ECOTEC 1999) – der Abbau eher zulasten der Männer zu gehen und v.a. Arbeiter in 
überproportionalem Ausmaß zu treffen. So weist ECOTEC für das untersuchte Unter-
nehmen in Großbritannien zwischen 1993 und 1997 einen Beschäftigungsabbau um 
32,21% aus. Die Zahl der männlichen Beschäftigten im untersuchten Unternehmen ging 
in diesem Zeitraum um 33,55% zurück. Der Abbau weiblicher Beschäftigter betrug 
hingegen 28,33%. ECOTEC sieht in diesen Ergebnisse eine Bestätigung der Ergebnisse 
der Untersuchungen des PSIRU und der ILO, die in Tabelle 1-1 ausgewiesen wurden. 
1.4. Industrielle Beziehungen im Elektrizitätssektor 
Vor der Privatisierung wies der Elektrizitätssektor für Großbritannien typische Formen 
industrieller Beziehungen und der Kollektivvertragsverhandlungen des öffentlichen 
Sektors auf. Das heißt Arbeitsbedingungen/-verträge und das Entlohnungssystem 
wurden durch eine zentralisierte landesweite Struktur von Verhandlungen – organisiert 
durch das Electricity Supply Trade Union Committee, das heute irrelevant ist - geregelt. 
Wie schon ausgeführt, war die Schwächung der Gewerkschaften explizites Ziel der 
Privatisierungsstrategien in Großbritannien. Die mit der Privatisierung verbundene 
Restrukturierung des Elektrizitätssektors, seine Aufteilung in verschiedene Bereiche 
brachten eine Dezentralisierung und Fragmentierung der Kollektivvertragsverhand-
lungen mit sich. Dies wurde durch Strategien der Auslagerung und dem Einsatz von 
LeiharbeiterInnen noch verstärkt. 
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