Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie ________________________________________________________________________________________ 
26% und 41%. In absoluten Zahlen ist zwischen 1985 und 1992 nach Kinnera Murthy 
die Beschäftigung im ÖPNV von 174.200 auf 151.500, also um 13% zurückgegangen.49
Heseltine und Silcock (1991, siehe auch Forrester 1993) weisen anhand eines 
regionalen Beispiels, nämlich South Yorkshire Transport, nach, dass zur Erhöhung der 
Konkurrenzfähigkeit und Abdeckung jährlicher Verluste von 45 Millionen Pfund die 
Operating Costs um 26% gesenkt wurden. Dies wurde durch einen Abbau von 13% des 
sogenannten ‚Platform’-Personals (Fahrer und Schaffner), v.a. aber durch eine Reduk-
tion der Verwaltungs- und anderer Unterstützungsjobs (-57%) sowie der Techniker 
(Engineers, -52%) erreicht. 
Heseltine und Silcock (1991) heben zwar hervor, dass es in den von ihnen untersuchten 
Fallstudien kaum zu unfreiwilligen Entlassungen gekommen ist, trotzdem muss betont 
werden, dass ihre Analysen die massiven Auswirkungen der Umstrukturierungsmaß-
nahmen auf die Motivation der Belegschaften und die Stimmung in den Betrieben 
hervorheben. 
Dass der Personalabbau im Sektor aber alles in allem relativ reibungslos vonstatten zu 
gehen schien, hing vermutlich auch mit der allgemeinen Verschlechterung der 
Arbeitsbedingungen und der Löhne im britischen ÖPNV zusammen, was die 
sogenannte natürliche Fluktuation der Beschäftigten erhöhte. Viele verließen den Sektor 
mit seinen sich verschlechternden Arbeitsbedingungen ‚freiwillig’. Auch David Bayliss 
hebt hervor (1999), dass es den Unternehmen in London nicht gelang ihr Personal zu 
halten, und dass sie sich schwer tun neues zu finden. 
2.2.2. Reduktion der Löhne 
Im White Paper on Busses aus dem Jahr 1984 und im Gesetz des darauffolgenden 
Jahres war eine Kostenreduktion in der Busindustrie um etwa 30% anvisiert worden. 
Aufgrund der hohen Arbeitsintensität des Sektors machen die Personalkosten etwa 
knapp 70% aus – etwas mehr als 40% für die ‚Platform’-Staff und etwas mehr als 25% 
für Verwaltung und Professionisten (Association of Metropolitan Countries 1990). 
Während die durchschnittlichen Löhne der Busfahrer in den 70ern und 80er etwa dem 
Durchschnitt der ArbeiterInnen entsprachen, lagen sie in den 90ern etwa 20% unter dem 
Durchschnitt. Zwar gehen die genauen Angaben zur Lohnreduktion etwas auseinander, 
da manche Studien sogar betonen, dass Busfahrer vor der Privatisierung 5% über dem 
Durchschnitt männlicher Arbeiter lagen. Einen guten Überblick über die Tendenz der 
Lohnentwicklung im ÖPNV in Großbritannien gibt folgende Statistik des Transport 
Committees des britischen Unterhauses aus dem Jahr 1995 (Transport Committee 
1995). 
                                                 
49  Der fortgesetzte Personalabbau im ÖPNV wird übrigens sehr gut in der von Stanley (1987) 
präsentierten Tabelle erkennbar. So waren 1968 noch 253.000 Personen im Bussektor beschäftigt, 
28.500 davon in privaten Unternehmen. Schon 1980 war demnach die Zahl der Beschäftigten auf 
202.000 – nicht zuletzt durch die Abschaffung der Schaffner – reduziert worden. Im privaten Bereich 
hatte sich die Beschäftigung bereits auf über 34.000 erhöht. 
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