Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Studie ________________________________________________________________________________________ 
reduziert. Die Zahl der jährlichen Abgänge liegt aber weitaus höher, da wie Banverket 
betont, gleichzeitig viele MitarbeiterInnen neu eingestellt werden. So wurde zwischen 
2000 und 2002 die Zahl der Beschäftigten um insgesamt 263 Personen reduziert, im 
selben Zeitraum wurden aber 702 Personen neu eingestellt, sodass die Zahl der Arbeit-
nehmerInnen, die Banverket allein in diesem Zeitraum verlassen haben, bei 965 liegen 
dürfte. 
3.2.2. Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen 
SEKO hebt hervor, dass der massive Personalabbau zu einer Verschärfung der Arbeits-
belastungen und einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsver-
hältnisse geführt hat. Explizit nennt die Gewerkschaft eine Verschlechterung der 
Pensionsbedingungen, der Beschäftigungssicherheit, des Einflusses auf Produktions-
abläufe und des Arbeitsumfeldes. Solange sich der Bahnsektor im staatlichen Eigentum 
befand und die Gewerkschaft Kollektivverträge im öffentlichen Dienst abschließen 
konnte, verfügten Bahnbeamte teilweise über 36 Tage Urlaub pro Jahr und die Möglich-
keit mit 60 in Pension zu gehen. Dies ist bei Neueinstellungen etwa in den privatisierten 
Bereichen nicht mehr so. So haben übernommene Beschäftigte bei Citypendeln zwar 
zwischen 28-34 Tage/Jahr Anspruch auf Urlaub, während bei Neueinstellung die 
gesetzliche Regelung von 25 Tagen gilt. 
Auch Veränderungen der traditionellen Arbeitszeitregelungen kommen vor, da die 
Geschäftsführungen nach Angaben der österreichischen Schienen Control GmbH die 
niedrigen Arbeitszeiten kritisieren (2002). Auch im Jahresbericht von SJ (The SJ Group 
1997-2001) aus dem Jahre 1997 und 1999 wird auf die Einführung flexibler 
Arbeitszeitmodelle und Jahresdurchrechnungsmodelle verwiesen. Zu diesem Zweck sei 
ein IT-gesteuertes System der Personaleinsatzplanung eingeführt worden, um die nicht 
wertschöpfenden Arbeitszeiten, also jene für die kein Kunde zahlt, zu reduzieren. 
Aufgrund der Verschlechterungen in den Arbeitsbedingungen droht nach Angaben der 
Gewerkschaft ein Mangel an qualifiziertem Personal. 
Einen interessanten Hinweis auf die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen im 
Bahnbereich geben die Jahresberichte der SJ Group, die über mehrere Jahre hinweg 
hohe Zuwachsraten bei krankheitsbedingten Abwesenheiten vermelden müssen. Da die 
Fluktuationsrate beim Personal aber niedrig sei (3,7% 1999), geht die Geschäftsführung 
von SJ AB davon aus, dass im Betrieb die Arbeitszufriedenheit relativ hoch sein müsse. 
3.3. Die Rolle der Gewerkschaften 
Nach langen Konflikten haben sich die schwedischen Gewerkschaften entschieden, im 
Prozess der Liberalisierung und Privatisierung mehr oder weniger zu kooperieren. Dies 
geht Hand in Hand mit einer Änderung der strategischen Ausrichtung. Aus einer 
Betriebsgewerkschaft, die sich auch mit verkehrspolitischen Fragen beschäftigt und sich 
der Gesellschaft im weiteren Sinne verpflichtet sah, wird SEKO, eine Sektorgewerk-
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