Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Einleitung 
gen zur Fragestellung unseres Projekts. Zusätzlich zur Literaturrecherche und 
Sekundäranalyse von Statistiken und Studien war es daher notwendig, ExpertInnen und 
Organisationen in den Ländern zu kontaktieren, um an zusätzliche Informationen, graue 
Literatur und Einschätzungen der Lage zu kommen. 
Die Recherchen zu vorhandener Literatur und relevanten Studien und anderen Materi-
alien erfolgte über das Internet, Bibliotheken und die gezielte Recherche in Publikati-
onslisten von für die Fragestellung oder den jeweiligen Sektor relevanten Universitäts- 
oder Forschungsinstituten, aber auch Ministerien, EU-Kommission und Regulatoren. 
Die Geschäftsberichte der ehemaligen und in einigen Sektoren bzw. Staaten weiterhin 
marktdominierenden Monopolisten erwiesen sich ebenfalls als wichtig. Außerdem 
nahmen wir mit Gewerkschaften, Personalabteilungen verschiedener Unternehmen, aber 
auch Basisinitiativen in den zu untersuchenden Sektoren direkt Kontakt auf, um 
Informationen zu erhalten und an relevantes Material heranzukommen. Diese Strategie 
hat sich z.B. für die Analyse des öffentlichen Personennahverkehrs in Großbritannien 
als sehr erfolgreich erwiesen. Da die Privatisierung des Busverkehrs in Großbritannien 
bereits Mitte der 80er erfolgte und zu einer Fragmentierung des Sektors führte, konnten 
zwar in der einschlägigen Literatur zur Privatisierung in Großbritannien Überblicksarti-
kel über die Auswirkungen der Veränderungen auf Beschäftigte gefunden werden, nicht 
jedoch Studien, die etwa von den Gewerkschaften oder Städteverbünden in Auftrag 
gegeben worden waren. Die Transport and General Workers Union stellte uns jedoch 
auf Anfrage ein umfassendes Paket zu den Auswirkungen von Liberalisierung und 
Privatisierung auf Beschäftigte im Bussektor in Großbritannien zusammen.8
Insgesamt gestaltete sich die Recherche als sehr zeitaufwändig. Wir konnten nämlich 
nur selten auf Ergebnisse von direkt zu unserem Thema durchgeführten Forschungspro-
jekten zurückgreifen, wie dies bei der Untersuchung der Humboldt-Universität Berlin 
zur Auswirkung der Privatisierung der Deutschen Bahn auf die Beschäftigten (Frey et 
al. 2001) der Fall war. Es war eher anzunehmen, dass Befunde über die Veränderung 
von Arbeitsbedingungen in den zu untersuchenden Sektoren, falls es sie überhaupt gab, 
in umfassenderen Studien, deren Bezug zu unserem Forschungsprojekt nicht auf den 
ersten Blick erkennbar war, enthalten sein könnten. Derartige Materialien erbrachten 
z.B. über den Elektrizitätssektor in Großbritannien interessante Informationen, häufig 
war die Durchsicht von allgemeinen Studien zur Veränderung von Beschäftigung, 
Arbeitsbedingungen und Arbeitsbeziehungen aber auch erfolglos. 
Die in diesem Bericht zusammengestellten Rechercheergebnisse bieten einen ersten 
umfassenden Überblick über die Auswirkungen der Veränderungen in den öffentlichen 
Dienstleistungen auf die ArbeitnehmerInnen. Wenn auch viel Material zusammen ge-
tragen und ausgewertet werden konnte, so war es doch nicht zu vermeiden, dass an 
einigen Stellen die mangelhafte Datenlage deutlich erkennbar wird. Der große Bedarf 
an Forschung zu unserem Thema wurde auch dadurch deutlich, dass die von uns 
kontaktierten ExpertInnen oder PraktikerInnen sehr großes Interesse an unserem 
Forschungsprojekt und den zu erwartenden Ergebnissen bekundeten. Auch monierten 
                                                 
8  Zu danken ist hier insbesondere Roger Sealey, Research Officer bei der TGWU. 
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