Full text: Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der EU und Österreich (2)

Fallstudien Österreich 
des Entgeltes aus. Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe rechnen mit einem langfristigen 
jährlichen Einsparungspotential von ATS 43,6 Mio (siehe Fallstudie Innsbrucker 
Verkehrsbetriebe). 
? Einkommensverluste durch Ausgliederungen: Während eine bei den ÖBB in der 
Gebäudereinigung beschäftigte MitarbeiterIn im Durchschnitt 1.486 € brutto pro 
Monat verdient, stehen ihm/ihr nach dem Kollektivertrag für Denkmal- Fassaden- 
und Gebäudereiniger für die selbe Tätigkeit 1.076,06 € brutto im Monat zu (6,22 € 
pro Stunde). So gerechnet ergibt sich ein Einkommensverlust von mehr als 25 
Prozent (wobei aber betont werden muss, dass bei den ÖBB zwar Leistungen, 
bislang aber keine MitarbeiterInnen ausgelagert wurden). Ähnliches gilt auch für die 
seit kurzem eingesetzten 90 ZugbegleiterInnen, die bei Wagon Lits beschäftigt sind 
und im Liege- und Schlafwagendienst zum Einsatz kommen. Auch sie verdienen 15 
bis 20 Prozent weniger als die bahneigenen SchlafwagenschaffnerInnen (siehe 
Fallstudie ÖBB).  
? Mögliche Einkommensverluste durch die Einführung leistungsorientierter Entloh-
nung: Angedacht ist eine Umwandlung der Entgelte in eine stärker leistungsorien-
tierte Entlohnung in vielen Teilen der öffentlichen Dienstleistungen - bspw. bei der 
Post (leistungsorientierte Entlohung ist in den privaten Post- und Kurierdiensten 
schon lange üblich) und zum Teil sogar bei den ÖBB (im Werkstattbereich). Kon-
kretere Schritte gibt es aber vor allem im Bereich der Elektrizitäts- und Gasversor-
gung: Im Stromgeschäft bei der Verbundgesellschaft gilt seit 2001 ein leistungs-
abhängiges Entgeltmodell. Der leistungsabhängige Anteil des Entgeltes macht im 
Durchschnitt 25 Prozent aus. Bei der STEWEAG-STEG fallen 60 MitarbeiterInnen 
unter das neue leistungsorientierte Schema. Hier macht der leistungsorientierte 
Anteil rund 20 Prozent aus (siehe Fallstudien Verbundgesellschaft und STEWEAG-
STEG). 
? Mögliche Einkommensverluste durch die Einführung von Betriebspensionen: Bei 
den Wiener Stadtwerken ist geplant, die bisherigen freiwilligen Sozialleistungen in 
einen Zuschuss zu Betriebspensionen umzuwandeln. Das Unternehmen verdoppelt 
den Betrag, den der/die jeweilige MitarbeiterIn in eine betriebliche Pensionskassa 
einzahlt. Dadurch werden nicht nur die Einkommensunterschiede zwischen den Be-
schäftigten verstärkt, aufgrund der Kapitalmarktveranlagung bleibt darüber hinaus 
unklar, wie viel Geld die Beschäftigten letztendlich in die Hand bekommen (siehe 
Fallstudie Wiengas). 
1.2. Art der Beschäftigung 
Wie oben erwähnt, kam es in den von uns untersuchten Sektoren zu einer Zunahme von 
selbstständiger Beschäftigung. Ingesamt hat ihre Zahl in den von uns betrachteten 
Sektoren zwischen 1998 und 2001 um fast ein Drittel zugenommen. Allerdings muss 
eingeschränkt werden, dass der Anteil von selbstständiger Beschäftigung an der 
Gesamtbeschäftigung noch immer weit unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt 
liegt (rund 1% im Vergleich zu mehr als 8% für die Wirtschaftklassen C – K). Darüber 
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